Bericht: Newcomerfestival 2014

Newcomerfestival 2014

Es ist erst 2 Wochen her, aber beim Gedanken an dieses Festival habe ich immer noch ein verdammt glückliches Grinsen im Gesicht, da es so unfassbar viel Spaß gemacht hat das Festival der ERMI (Erlanger Rockmusikinitiative) zu begleiten.

Bandbewerbungen durchlesen, in Soundcloudlinks reinhören, schrammelige Youtube Videos bestaunen oder sich doch vom ein oder anderen Newcomer über Spotify überzeugen lassen, all das geschah bevor die Bandauswahl getroffen werden konnte. Aus ca. 40 Bewerbungen wurden die 14 überzeugendsten ausgewählt. Genremäßig war fast alles geboten. Metal, Hardcore, Punk, Indie und Singer-Songwriter. Hauptsache Handgemacht. Die Bestätigungmails wurden rausgehauen und brachten die ein oder andere „Juhu! Freut uns dabei sein zu können!“-Mail. Schön, wenn sich Musiker noch so über Auftrittsmöglichkeiten freuen können.

FAQ – von Angesicht zu Angesicht

Die große Frage und Antwortrunde wurde dann auf 2 Wochen vor dem Festivaltermin gelegt, womit auch allen brennenden Fragemails vorerst Einhalt geboten wurde. Am 10.11. gab es dann die erste Zusammenkunft der Newcomerfestival 2014 Generation. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung was mich erwarten würde, da auch ich zum ersten Mal bei solch einer Besprechung dabei sein sollte. Es waren meist 1-2 Bandmitglieder pro Band anwesend, also ca. 25 Leute im Gruppenraum 4 des E-Werks Erlangen. Um 19:00 Uhr sollte die Besprechung losgehen. Schnell noch ´ne Limettenschorle geschnappt und die akademische Viertelstunde auf den Rest des Fests gewartet. Um 19:15 waren dann alle beisammen und E-Werk Mitarbeiterin Verena eröffnete die Inforunde. Sie klärte alle Facts zum Thema Catering, Ablauf und Gewinne. Durch ERMI Mitglied Vale werden auch die technischen Fragen geklärt. Schnell wurde noch eine Checkliste mit allen Banddaten rumgegeben, bevor es zum eigentlich spannenden Teil des Abends kommen konnte: Der Slotauslosung! Jede Band konnte ein Los mit einem Festivaltag, der Uhrzeit sowie der Bühne auf der sie spielen sollten ziehen. Von freudigen Ausrufen „Yeah! Primetime!“ bis „Och nöö..“ oder „Was?! So spät! Krass..“ war alles vertreten. Hier und da wurde noch über Tauschaktionen diskutiert, doch am Ende gab sich jeder mit seiner Karte zufrieden. Die fairste Variante die Runningorder eines solchen Festivals festzulegen. Die Zeiten wurden in die schicke Checkliste eingetragen und nach einem wilden Durcheinander aus Unterhaltungen verschwanden die Musiker dann bald in die Nacht.

Slotauslosung und Festivalbesprechung im E-Werk
Slotauslosung und Festivalbesprechung im E-Werk

Tetris für Fortgeschrittene

Donnerstag, 20.11.2014 ca. 14 Uhr
Ich sitze mit im schicken blauen Caddy des E-Werks und bin auf dem Weg nach Nürnberg. Die Backline der Clubbühne wird für das Newcomerfestival aufgestockt und nachdem Vale sich schon um den Transport des Meinl Schlagzeugs, das alle Clubbühnenbands spielen sollen, gekümmert hat, gilt es nun Boxen und Verstärker in Nürnberg abzuholen. Angekommen beim Lager wird alles auf höchstem Tetrisniveau in den Caddy verladen und schon geht es zurück ins E-Werk. Backline ist da, also kann es losgehen!

Die Ruhe vor dem Sturm

Freitag, den 21.11.2014 im E-Werk. Nach etlichen Mails, Besprechungen und Anrufen von Bands die diese oder jene Frage haben ist es endlich soweit: NEWCOMERFESTIVAL 2014 im E-Werk.

Mein Festivaltag beginnt um 13:00 Uhr. Der erste Getin (Ankunft) ist auf 15:45 angesetzt. Im E-Werk geht es jedoch jetzt schon zur Sache: Catering aufbauen, Schilder aufhängen und das Haus startklar machen ist angesagt. Auf allen Ebenen wird fleißig gearbeitet. Die Techniker bauen die Backline auf und schon können die ersten Wägen rausgeschoben werden. Die ersten Bands stehen bald vor der Tür. Autos werden entladen, Wägen vollgepackt, Instrumente durch die Gegend geschleppt, Backstagebändchen und Zeitpläne verteilt und der Aufzug ist in Dauerrotation um das Equipment in die Clubbühne zu bringen, währenddessen bekommen die Kellerbühnentreppen den ein oder anderen beladenen Musiker und Helfer zu Gesicht. Die ersten Soundchecks fangen gegen 16 Uhr auf beiden Ebenen an. Wartende Musiker sieht man bald ihr Equipment entpacken, im Backstage chillen oder übers Catering herfallen. Das Tanz-Werk hält beim Newcomerfestival als Backstagebereich her. Eine Menge Platz für die ca. 50 Musiker und Crewmitglieder. Da kann auch mal rumgealbert und eine Runde NCF Backstage Crib á la Missing Avery gespielt werden.

Der „55 Cent“ der Festivals

Um 19:00 Uhr sind dann alle Soundchecks beendet und es kann losgehen. Schnell noch Einlass-/Pausenmusik abgeklärt und los geht’s: Einlass beim 37. Newcomerfestival Erlangen. Bis 20:00 Uhr kostet der Eintritt nur 3,- Euro für ein Tagesticket, also umgerechnet zahlt man 33 Cent pro Band. Ab 20:00 Uhr dann 5,- Euro pro Tagesticket, dementsprechend 55 Cent pro schweißtreibende Show! Am Abendkassenhäuschen stellen sich die ersten Besucher an, dort erhalten sie dann auch direkt ihren Stimmzettel für das Publikumvoting.

Das sei erklärt: Alle teilnehmenden Bands haben zwei Gewinnchancen. Einmal entscheidet eine Jury und zum anderen das Publikum per Stimmzettel. Die Preise reichen von Studioaufenthalten über Thomanngutscheine bis hinzu T-Shirt Druck Gutscheinen. Keine Band geht leer aus. Doch Jackpot ist womöglich der Publikumspreis, der eine Reise nach Russland in Erlangens Partnerstadt Wladimir ist. Dort tritt die Gewinnerband dann bei deren Newcomerfestival auf. Gesponsert wird dieser Preis von der Kulturförderung der Stadt.

Vote!
Vote!

Singalong vs. Breakdown

Mein Programmheft erzählt mir, dass die erste Band im Wettbewerb Missing Avery sind, deshalb begebe ich mich gegen 20:30 dann nach oben in eine nett gefüllte Clubbühne. Missing Avery stehen schon in den Startlöchern. Um 20:35 Uhr geben sie dann mit ihrem Intro den Startschuss! Zur Eröffnung lassen sie es mit ihrer exzessiven Show irgendwo zwischen Nu Metal und Hardcore krachen. Newcomerfestival 2014 – läuft!

Ab 21:05 sorgen dann Hazel The Nut für Kontrastprogramm auf der Kellerbühne. Pop-Punk vom Feinsten kommt von dem Quartett. Teilweise sogar mit ausgefuchster Choreo. Qualitativ sind die vier Jungs eine der besten Pop-Punk Bands die ich in letzter Zeit sehen durfte.

Trotzdem zieht es mich nach deren Set mal wieder hoch in die Clubbühne. Missing Avery sind nun fertig und ich treffe auf eine euphorische und vollkommen verschwitzte Band, die alles extrem abfeiert. Währendem Missing Avery die letzten Sachen von der Bühne holen, sind Actin Myosin schon mit dem Aufbau beschäftigt. 20 Minuten Changeover läuft wie geschmiert. Fleißig wuseln die Musiker im Backstage herum und packen ihre Instrumente ein bzw. aus. Wobei ich echt immer wieder feststellen muss, dass Schlagzeuger die größte Arschkarte gezogen haben. Während Gitarristen und Bassisten nur schnell Instrumente ausstöpseln und Koffer packen sowie ein paar Kabel zusammenwickeln müssen -von Sängern gar nicht erst anzufangen- müssen die Schlagzeuger noch ewig rumschrauben und ihr Set in zig Cases verpacken. Zum Glück gibt es beim Newcomerfestival auf jeder Bühne ein festes Drumset, bei dem dann lediglich Breakables wie Fußmaschine, Becken oder Snare ausgetauscht werden. Die Tatsache, dass im E-Werk Wägen und ein Aufzug zum Entladen des Equipments bereitstehen wird schon den ganzen Tag über begeistert wahrgenommen. „Sonst müssen wir den ganzen Scheiss immer alleine rumschleppen! Echt super Service habt ihr hier!“, höre ich noch einen Musiker sagen, bevor er seinen plüschigen Leopardengitarrenkoffer auf einen der Wägen stellt.

Ekstase und Entspannung

In der Zwichenzeit sind die 4 Jungs von Actin Myosin startklar und huschen etwas nervös zwischen Backstage und Bühne hin und her: Perfekte Zeit um einen Video O-Ton aufzunehmen, denken wir uns da gleich! Also zerren wir die vier etwas planlos vor die Kamera. Doch dann heißt es auch schon Feuer frei für unsere erlanger Hardcorelieblinge! Souverän ziehen sie ihren Auftritt durch und setzen dabei auf ein kurzes, aber energetisches Set. Technisch einwandfrei und mit unfassbar viel Spielfreude begeistern sie die mittlerweile gut gefüllte und teilweise sogar textsichere Clubbühne. Insgesamt mega gute Stimmung und ein Haufen glücklicher Gesichter im Publikum.

Um 22:10 Uhr klettere ich dann wieder runter in die Kellerbühne. Nachdem Actin Myosin das Publikum in Ekstase gespielt haben, wirken Mephystry dagegen wesentlich entspannter. Handgemachter Heavy Metal mit angenehmer Stimme wird hier zelebriert. Um 22:45 ist es dann Zeit für ein paar ganz ruhige, poppige Töne. Katja Zenk und Band bespielen die Clubbühne. Mit einer unfassbar schönen Lichtshow und einer Mengen netten Ansagen sorgt Katja für Frauenpower im ansonsten durchweg männlichen Lineup. Der Quotenfreak der Band, in diesem Falle Gitarrist Albert, sorgt durch seine saubere Performance für Hingucker. Leider ist das Publikum sehr laut und die immerwährenden Gespräche machen es einem oftmals schwer den ruhigen Tönen lauschen zu können.

Newcomerfestival 2014
Newcomerfestival 2014 // Clubbühne

Bang your head!

Scheinbar hat das Publikum eher Bock auf laute Töne. Die bekommt es dann auch in der Kellerbühne: Torrential Rain bringen die Anlage ans Limit! Es wird nicht nur auf der Bühne am laufenden Band geheadbangt. Virtuos setzen die 4 Musiker ihre Songs um und kommen damit super an! Die Kellerbühne ist zum Bersten gefüllt. Wahnsinns Show!

Seit 4 Stunden läuft das Festival nun und es wurde auf beiden Ebenen alles gegeben. Um 23:50 Uhr beenden The Blackscreen die Spielzeit auf der Clubbühne. Ein kleines Publikum schaut sich noch die sicher gestaltete Show der Indierocker an.

Ein blumiges Ende

Zum Ausklang des ersten Festivaltages entern dann die Hobbygärtner die Kellerbühne des E-Werks. Der Name ist Programm mit Rechen als Mikroständer und in voller Gärtnermontur mit dem ein oder anderen Accessoire bespaßen sie das punkige Publikum. Schrammliger Deutschpunk, den man zwar nicht ganz ernst nehmen kann, einen jedoch mit dem ein oder anderen Lachflash zur später Stunde segnet. Ein super Abschluss für einen abwechslungsreichen ersten Festivaltag.

Am Abend zählt das Team noch die Votingzettel des Freitags aus. Das Ergebnis wird dann allerdings erst am Samstag bei der Preisverleihung verkündet. Es bleibt also spannend!

 

Newcomerfestival – Tag 2

Der zweite Festivaltag groovt sich mit der Indie/Dance Band These Weeks bereits um 19:30 für mich ein und die zahlreichen Besucher lassen sich nicht zweimal zum Tanzen auffordern. Die Nürnberger spielen auf hohem Niveau und das Publikum ist sichtlich begeistert.

Härter geht es dann mit Save Today weiter. Hardcore vom Feinsten. Die Kellerbühne wird wieder in ihren Grundfesten erschüttert und das Publikum drängt sich auf alle Ebenen. Darunter sieht man auch den ein oder anderen Musiker des Vortages, begeistert wird hier das Festival gemeinsam zelebriert.

Für Schülerbandfeeling  sorgen im Anschluss die Erlanger Shit Happens When You Party. Auch wenn ihr Humor irgendwie nicht so recht zünden will, sieht man doch zumindest den ein oder anderen Grinser im Publikum. Deutlich nervös ziehen die drei ihr Set durch. Erste Mitsingversuche von Seiten des Publikum gibt es dann bei ihrer Single „Susan“.

Konfettiregen und Pinguine

Eins sei erwähnt: Wer auf Konfettiregen und Elektronic Nu Rock steht, hätte 2 Hours Till Breakdown nicht verpassen dürfen! Super!

Als letzte Wettbewerbsband des Abends tritt dann das sympathische Singer-Songwriter Duo We Brought A Penguin aus Nürnberg auf. Mit unterhaltsamen Ansagen und ihrem Pinguin stets an ihrer Seite, zelebrieren sie ein tolles Abschlusskonzert in der Kellerbühne. Die Folkfreunde im Publikum lassen sich ein kleines Pinguintänzchen nicht nehmen. Hier ist der Funke eindeutig übergesprungen!

We Brought A Penguin - Newcomerfestival 2014
We Brought A Penguin – Newcomerfestival 2014

Die Jury macht sich die letzten Notizen und die Zuschauer können noch schnell ihre Stimmzettel abgeben, während die russische Gastband Metamorphis in der Clubbühne ihre Mischung aus Progressive Rock und Grunge spielt.

Anschließend kommt es zur großen Preisverleihung. Die Jurypreise werden von der Jury persönlich vergeben, moderiert von ERMI Mitglied Valentin Wetsch. Dieser verkündet dann feierlich, dass Actin Myosin den 1. Preis der Jury gewonnen haben. Somit bekommen sie einen dreitägigien Studioaufenthalt bei Red Audio. Die Freude ist den vier Erlanger Musikern deutlich anzusehen! Der 2. Jurypreis (Liveaufnahmen) geht an Torrential Rain und die 3. Platzierten We Brought A Penguin erhalten einen 250,- Euro Thomanngutschein. Auch wenn Pinguin Patrick die Bühne ohne seinen Bandkollegen, lediglich in Begleitung ihres kostümierten Pinguinmädchens, stürmt. „Hannes wo bist du?“, lässt er noch verlauten, doch Pinguin Nummer 2 scheint verschollen.
Im Anschluss bittet Valentin alle anderen teilnehmenden Bands nach und nach auf die Bühne, denn beim Newcomerfestival geht wie bereits erwähnt niemand leer aus.

Dann kommt es zum spannendsten Teil der Preisverleihung, Oberbürgermeister Dr. Florian Janik selbst verleiht den Publikumspreis und macht es dabei spannend. Lässt man einen Blick durchs Publikum streifen, sieht man deutliche Spannung in den Gesichtern aller anwesenden Bandmitglieder. Dann wird der Name der Gewinner verkündet: ACTIN MYOSIN! Der Band ist ihre Fassungslosigkeit deutlich anzusehen – doppelt abgesahnt! Glückwunsch! Somit werden die vier im nächsten Jahr in Erlangens Partnerstadt Wladimir (RU) fliegen und beim dortigen Newcomerfestival spielen. Grund zu feiern, Zeit für Freibier! Davon gibt es dann 100 Liter an der Clubbühnentheke und mit einem Auftritt von Sound Organic Matter, den Gewinnern des Vorjahres, wird das Newcomerfestival 2014 zum Ausklang gebracht.

Wir haben uns Actin Myosin in ihrem Siegestaumel noch kurz für ein Video geschnappt. Dies könnt ihr euch im offiziellen Aftermovie anschauen:


Geknipst! Fotogalerie: Newcomerfestival 2014

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2 Kommentare zu „Bericht: Newcomerfestival 2014“

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