Herz für die Sache

Du steckst dein ganzes Herzblut in deine Band. Sie ist dein ein und alles. Du steckst all dein Herzblut hinein und du hoffst irgendwann von deiner Musik leben zu können. Das können sich Außenstehende natürlich nicht so recht vorstellen. Die haben ja auch keine Ahnung. So viel Herzblut wie du in deine Musik steckst, steckt sonst ja auch niemand in irgendetwas.

Deswegen wirst du auch nicht müde jedem davon zu erzählen, wie viel Energie dich das alles kostet. Du hast ja auch so wenig Zeit, (neben Vollzeitchillen und Teilzeitstudium) um dich wirklich so um diese heißgeliebte Band zu kümmern, wie du gerne würdest. Aber du kannst stundenlang davon erzählen. Wenn dich jemand danach fragt, bekommt er die komplette Entstehungsgeschichte um die Ohren geballert. Jeder zweite Satz ist: „Ja, ich bin ja selbst überrascht, dass das gerade so gut läuft. Wir bekommen ja echt viel positive Resonanz.“ oder „Auf lokaler Ebene sind wir halt echt erfolgreich. Läuft ganz gut soweit!“. Auch wenn die bösen Veranstalter dich nicht fragen, ob du bei ihnen spielen möchtest. Da kommt keiner auf dich zu. Du verstehst nicht, warum dich niemand abholt. Aber selbst eine Mail schreiben und mal nachfragen ist nicht möglich, denn du bist damit beschäftigt über deine Zukunft zu fantasieren.

In Zukunft hast du dies und das geplant und bald, also in naher Zukunft, da wirst du auf Tour gehen! Aber bloß nicht bei Fremden auf dem Boden pennen, Hotel muss schon drin sein. Also das ist finanziell natürlich schwierig, aber du stehst schließlich voll dahinter.  Und eines Tages vielleicht, also eventuell… Eventuell, wäre es möglich, dass es durchaus denkbar wäre, dass du auch mal außerhalb der Region etwas bewegen könntest. Aber da muss man sich natürlich vorher gründlich Gedanken drüber machen, sonst geht das ja vielleicht mit eventueller Möglichkeit schief.

In deinem kleinen Hirn spuken eine Menge Ideen herum. Ebenso spukt in deinem Hirn auch eine Menge Ungewissheit herum. Wird es funktionieren? (Finds heraus!)  Bist du gut genug? (Übung macht den Meister!) Was kannst du dabei verlieren? (Nichts, außer deine Ungewissheit!) Macht das alles überhaupt Sinn? (Mach halt einfach!)

Dann kommt natürlich der Gedanke ans liebe Geld, diesem miesen Verräter. Wenn das Gespräch darauf gelenkt wird, hört man von dir ein verhaltenes: „Ja, also das lohnt sich ja eh alles nicht. Um auf Tour zu gehen, sind wir noch viel zu unbekannt.“ Mit dieser Gesprächswendung verziehst du dich wieder in deinen Proberaum, übst an deinem Instrument und hoffst spontan berühmt zu werden.

Dein Geld sparst du dann lieber um die Aufnahmen im Tonstudio finanzieren zu können. Damit du dann wenigsten deinen 556 Facebooklikes mitteilen kannst, dass sie die neue EP jetzt auch auf Spotify anhören können! Wuhuuu!

Herzlichen Glückwunsch! Du hast die Musikwelt verstanden! So wie die ganzen bekannten Musiker, die ja ständig in Interviews mitteilen, dass es überhaupt nicht darum geht live zu spielen und auf Tour zu sein. Die mittlerweile Großen, wie z.B. Frank Turner, Kraftklub oder AnnenMayKantereit machen es schließlich vor. Das Risiko einzugehen bei der ersten Tour vor zwei Leuten pro Abend zu spielen und mächtig draufzuzahlen lohnt sich nicht! Du machst es wie sie: Du verschanzt dich in Proberaum und Studio und nimmst mit deiner Band ein Album auf, bevor du je auf Tour warst. Das Album hat dann natürlich nicht den Zweck es auf Tour zu verschärbeln und möglichst viele Leute damit zu erreichen. Nein! Das wertvolle Stück ist ausschließich bei deinen Gigs in 30 km Umkreis zu deiner Heimatstadt zu erhalten, wenn du nicht schon wieder vergessen hast ein paar Exemplare mit zum Konzert zu nehmen. Manchmal lässt du auch einfach mal 31 Stück im Venue liegen und auf Hinweis des Veranstalters, meldest du dich mit einem „Wow. Oh mein Gott! Habe ich ganz vergessen, hole ich morgen ab!“ Aber stimmt ja, die CDs waren so teuer, dass du kein Geld für DIE Tour hattest und der Veranstalter hat die ja nur diese mickrige Gage gezahlt verdammt! Deshalb brauchst du bereits 1,5 Jahre um die 31 CDs, die du für 8,- Euro das Stück verkaufen wolltest im 650m entfernten Club abzuholen.

Unabhängig vom finanziellen Aspekt, begegnet niemand deiner Kunst mit der Wertschätzung, die sie verdient! Nicht mal du selbst.

Stimmt ja, du wolltest nie Vollzeitmusiker sein. Das was die anderen Acts da betreiben ist eh nur mieser Ausverkauf! Ein großes, interessiertes Publikum wolltest du eigentlich auch nie.

 

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