Interview mit Raphael Kestler

Aus dem Interview mit dem jungen Musiker Raphael Kestler ist ein zweistündiges Gespräch über Musik, Wertschätzung und Freundschaft geworden, welches im gemütlichen Ambiente des Café Brazil stattfand.

Es ist der erste regnerische Tag nach einer langen sommerlich heißen Phase. Das Poetenfest, bei dem die Erlanger ihre Zuneigung zur Wortkunst zelebrieren, liegt kaum zwei Tage zurück. Literarische Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Bürgern des Hugenottenstädtchens. Das Lesen eines Buches ist eben keine Nebenbeschäftigung, der man beim Abwasch oder beim täglichen Internetkonsum Gedanken verloren nachgeht. Ebenso entwickelt ein vorgetragener Text erst seine komplette Wirkung, wenn der Zuhörer Zeit und Raum vergisst und sich ganz und gar von den gesagten Worten umfangen lässt.  Dadurch entsteht beim Publikum eine gewisse Selbstverständlichkeit, dass diese knisternde Ruhe nur durch kollektives Lachen oder Seufzen durchbrochen werden darf.

Eine Selbstverständlichkeit, die viele Konzertbesucher wohl abgestreift haben, als Musik für sie zum Hintergrundklang wurde. Zur Begleitung des Abwaschs oder des täglichen Internetkonsums. Sobald der Poet mit der Gitarre anstatt mit einem Buch oder Zettel in der Hand vorm Mikrofon steht, lässt die allgemeine Aufmerksamkeit schnell mal nach. Ein geschwätziges Phänomen, das vielen Musikkneipen und kleinen Clubs die wirklich interessierten Musikliebhaber vertreibt. Es vertreibt sie gelegentlich in die privaten Gemächer dieser Welt, wie etwa in die vier Wände eines Wohnzimmers. Die Geschichten, die Raphael Kestler in seinen Songs verpackt verdienen allerdings die gleiche Aufmerksamkeit wie etwa ein Slamtext und erschließen sich dem Hörer in ihrer gesamten Schönheit nur beim konzentrierten Zuhören. Dafür bieten Wohnzimmerkonzerte die richtige Atmosphäre. „Sie bieten eine gewisse Kontaktmöglichkeit, da sowohl von meiner Seite, als auch von der Seite der Zuschauer keine Barriere da ist, die zum Beispiel eine Bühne oftmals darstellt.“, meint Raphael. Die Besucher machen sich bei Konzerten in privaten Räumen keine Gedanken über die Servicequalität des Personals, die Qualität der Licht- und Beschallungsanlage und das Getränkesortiment. Es geht einfach um Musik, die oftmals roh und unverstärkt vorgetragen wird, genau so wie sie entstanden ist. Fernab großer Bühnen mit gewaltigen PA Anlagen.

Raphael_Kestler Interview_Fotofin

Doch auch Clubkonzerte möchte er nicht missen, denn mit komplettem Bandlineup macht es seiner Meinung nach, alleine soundtechnisch gesehen, mehr Spaß in einem richtigen Venue zu spielen. Nach vielen Kooperationen mit Musikern, wie Tom Liwa und Nicolas Schmidt hat Raphael nun Freunde um sich versammeln können mit denen er leidenschaftlich gerne musiziert. Seine Mitmusiker Florian (Schlagzeug), Agnes (Klarinette / Gesang) und Sven (Bass) haben eine Sache mit Raphael gemeinsam, sie alle studieren in verschiedenen Formen Musik. Jazzschlagzeug, Klarinette, Kontrabass, elementare Musikpädagogik und klassischer Gesang. „Doch das sind vor allem Leute, die ich unglaublich gerne habe. Ich mag auch die Art wie wir über Musik reden können und es ist hammer, dass sich das gerade so formiert.“, erzählt Raphael glücklich. Doch trotz aller Freundschaft stößt Raphael mit seinen Vorschlägen für Bandnamen auf Eis, bis auf weiteres läuft das Projekt unter dem Namen Raphael Kestler & Band.

„Wir müssen nicht heißen, wie ich. Das ist kein Egoding! Ich schlage sogar immer wieder Bandnamen vor, aber sie finden sie einfach nicht gut.“

Die Songs entstehen hier auf ganz unterschiedliche Weise, mal dient eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht als Grundlage und wie man in Songs wie „Vom Glück“ hören kann lässt sich der gebürtige Erlanger auch von Reiseerfahrungen beeinflussen. Reisen ist eine große Leidenschaft des jungen Musikers, diese nutzt er um sich zu fokussieren. Die vielen Eindrücke und fremden Situationen sorgen bei ihm für eine gewisse Unruhe. Bei einem Tag Pause vom Unterwegssein können dann die entstanden Eindrücken und die Gedanken über das Leben und die Beziehungen, die daheim auf einen warten auch mal in einem spontan entstehenden Songtext reflektiert werden.

„Ich war kürzlich vier Wochen lang unterwegs und da gab es mal eine Situation, dass ich anhalten musste um einen Tag Pause zu machen. Da habe ich ohne mir irgendetwas vorzunehmen einen kompletten Song in einem durchgeschrieben.“

Kürzlich wanderte er vier Wochen lang auf dem Jakobsweg , ausgehend von seiner Wahlheimat Augsburg. Die Frage, ob er froh sei Erlangen entkommen zu sein verneint der Musikliebhaber. Auch wenn ihm das Städtchen immer das Gefühl vermittelt, dass die Einwohner kommen um zu gehen. Sie kommen mit der Frist eines Studiums oder eines Arbeitsplatzes hier her, aber verschwinden oft ohne den Versuch zu machen ins Stadtleben einzutauchen. Dadurch sieht Raphael gerade im Kulturleben Erlangens viel ungenutztes Potenzial. In Augsburg dagegen gibt es bei oftmals weniger liebevoll gestalteten Formaten eine um einiges größere Resonanz. Der Energieaufwand, den man in Erlanger Veranstaltungen stecken muss um die Leute davon zu überzeugen ist somit um einiges größer. „In Erlangen geht nix!“, ein schnell gesagter Satz, bevor nachgeschaut wird was geht.

Doch die Grenzen der Metropolregion, aus denen sich erfahrungsgemäß viele lokale Bands nicht heraustrauen, waren für Raphael nie eine Einschränkung. Hannover, Hamburg und Duisburg sind nur einige Städte, die der Musiker schon bespielt hat. Spielen, spielen, spielen ist in Zukunft das Ziel, auch wenn das Augenmerk nicht darauf liegt kommerziell erfolgreich zu werden und seinen Lebensunterhalt als Musiker zu verdienen. Er möchte seine Musik ernstnehmen können und nicht permanent im Kopf haben, krampfhaft  seinen Lebensunterhalt damit bestreiten zu müssen.

„Ich möchte einfach viel spielen, da mir das besonders Spaß macht.“

Als Nostalgiker möchte Raphael nicht bezeichnet werden, auch wenn seine Musik, unterstrichen durch die altmodisch wirkenden Musikvideos, gefühlsmäßig einen nostalgischen Hauch hat. Er sei eigentlich vollkommen up to date und die alten Liedermacher zählt er auch nicht zu seinen musikalischen Wurzeln. Er schätzt viel eher Musiker wie Tom Liwa, Niels Frevert und ClickClickDecker. Sein aktuell veröffentlichtes Material sieht er zusätzlich nicht als repräsentativ. Für die Zukunft sind Demoaufnahmen mit der kompletten Band geplant um sich damit bewerben zu können und auf Tour zu gehen.

Die Tourdaten findet ihr dann unter
www.facebook.com/Raphael.Kestler.und.Band

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s