Interview: Brickwater

„Ich hoffe, ihr seid nicht so pingelig in Bezug auf Bandräume.“, merkt Roman alias Brickwater zögerlich an, während dem er uns durch das alte Quelle-Gebäude zu seinem Proberaum a.k.a. dem Homies & Spasten Headquarter führt. Pingelig sind wir natürlich nicht, als wir es uns auf den Sofas, umgeben von diversen Instrumenten und einer netten Pfandsammlung mit dem ehemaligen Sänger der Nürnberger Punk’n’Roll Band King Lui Van Beethoven gemütlich machen.

Sound Of Erlangen: Deine Vorgängerband King Lui Van Beethoven hat sich 2013 aufgelöst. Hattest du damals schon Pläne für dein jetziges Akustikprojekt Brickwater?
Brickwater: Wir haben fünf Jahre zusammen als King Lui Van Beethoven gespielt und sind relativ jung zusammengekommen. Irgendwann hat eben jeder etwas anderes ausprobieren wollen und dann gab es auch noch ein paar kleine Streitigkeiten, wie es halt immer in Beziehungen ist. Vor allem mit fünf Kerlen. Die Zeit war dann einfach vorbei und jeder wollte etwas anderes machen. Richtige Pläne gab es da allerdings noch nicht. Ich wollte einfach ein bisschen weniger schreien und mal gucken ob es auch Töne gibt, die man ausprobieren kann.

Brickwater (c) Sound Of Erlangen
„Ich wollte einfach ein bisschen weniger schreien und mal gucken ob es auch Töne gibt, die man ausprobieren kann.“ (Brickwater)

Ist es für dich nun angenehmer selbstständig zu sein?
Es ist definitiv ein anderes Arbeiten. Ich muss keine Kompromisse mehr eingehen, das hat Vor-und Nachteile: Manchmal ist es eben gut, wenn ein Zweiter seine Meinung abgibt. Für mich ist es auf der anderen Seite eine coole Erfahrung alles selbst machen zu müssen, wie zum Beispiel die Facebookseite betreuen, Konzerte buchen und die Kohle für eine Platte auftreiben. Bei King Lui hatte jeder seine Aufgaben. Alleine ist es nun schwieriger, aber auch interessanter.

Bekommst du Hilfe in Sachen Grafik oder ist diesbezüglich auch DIY angesagt?
Das ist unterschiedlich. Manche Sachen mache ich selber, obwohl ich sehr, sehr schlecht bin in dem Bereich. Ich verkaufe meine Grafiksachen auch gerne! Für Tausend Euro! lacht Ähem nee, also ich habe in meinem Freundeskreis viele Grafiker, die mich da unterstützen. Olli hat zum Bespiel die EP für mich gestaltet, eigentlich sollte das Layout mal ein Sticker werden. Die Grafik und die EP waren aber zufällig zeitgleich fertig und da ich das Layout so lustig fand, habe ich es einfach als Cover genommen. Über sowas mache ich mir eigenlich nie viele Gedanken.

War der Titel der EP „Aloah from Brickwater“ auch so eine spontane Entscheidung ohne sich groß Gedanken darüber zu machen?
Der Titel ist so, weil es meine erste Platte war und das einfach ein „Hallo ich bin jetzt auch da!“, darstellen sollte. Über sowas wie Grafik und Titel mache ich mir wirklich nicht viele Gedanken. Da ich alleine bin, lege ich meinen Fokus lieber auf das Wichtige: Die Musik.

Wie lange hat es gedauert bis die EP fertig war? Waren die Songs schon da oder hast du sie extra für die EP geschrieben?
Die Songs waren schon da. Die EP ist zusammen mit Jens Hold, der die ganzen Back-Instrumente spielt und im Gitarrenladen BTM in Nürnberg arbeitet, entstanden. Wir haben uns einfach in den Laden gesetzt und fünf Songs aufgenommen. Wir wollten in der tollen Akustik des Raums ausprobieren, wie die Songs als Aufnahme klingen. Dann fanden wir das Ergebnis eigentlich ganz geil und haben es gemixt und direkt rausgehauen. Relativ spontan.

Brickwater (c) Sound Of Erlangen
„Ich hätte das jetzt auch auf Klick perfekt einspielen können, aber das hat dann für mich wenig mit Musik zu tun.“ (Brickwater)

Bist du dafür, dass es so spontan verlaufen ist zufrieden mit dem Ergebnis?
Ja, passt schon! Es sind schon mehrere Fehler darauf, aber ich finde sowas eigentlich immer interessanter. Das ist die Musik, wie ich sie gerne höre. Ich hätte das jetzt auch auf Klick perfekt einspielen können, aber das hat dann für mich wenig mit Musik zu tun. So wie sie jetzt sind, haben die Songs einfach eine eigene Dynamik. Bei meinen Songs ist es oft so, dass sie am Ende noch eine Art Finale haben und dabei werde ich immer schneller, aber das tut den Songs wohl auch keinen Abbruch und es ist schön, dass das auch auf der Aufnahme transportiert wird.

Worauf legst du mehr wert: Musik oder Text?
Beides!

Wie entstehen die Songs?
Manchmal habe ich einen Text und schreibe die Musik dazu und manchmal habe ich eine coole Melodie und schreibe den Text dazu. Ein richtiges Schema gibt es bei mir nicht, aber ich glaube sowas ist auch generell nicht weit verbreitet.

Was kann man bei deinen Liveauftritten erwarten?
Megamäßig schlechte Ansagen zwischen den Liedern… Aber dafür bin ich bekannt und berüchtigt! schmunzelt Man kann aber auch ziemlich gute Livemusik erwarten, ich spiele oft zusammen mit Jens Hold (E-Gitarre, Mandoline, Bass) und Sexboy von den Dead City Rockets, dadurch gibt es viel Abwechslung.

Durch Jens hast du bereits einen Mitmusiker an Bord geholt. Könntest du dir vorstellen dir bei Brickwater eine komplette Backing-Band dazuzuholen?
Ich weiß es nicht. So wie es aktuell ist, ist es eigentlich ganz cool. Es gibt eben „Brickwater“, „Brickwater and his Jens Hold Band“ und Brickwater und Sexboy sind zusammen „Sexwater“. Noch ekliger! Eine Runde Gelächter Ähem.. Ich behalte mir dadurch eben die Unabhängigkeit auch alleine zu spielen, aber eben auch Kombos zu bilden. Da entsteht immer wieder etwas Neues. Das ist wieder ein Vorteil solo unterwegs zu sein, bei einer fünfköpfigen Band kann man nicht einfach mal so einen weiteren Musiker dazunehmen. Das käme dann komisch…

Wie bist du zum Musikerdasein gekommen?
Ich glaube ich hatte schon immer eine gewisse Affinität zu musizieren. So wie andere Leute eben gerne malen, mache ich Musik.

Kannst du auch andere Instrumente außer Gitarre spielen?
Ich spiele auch noch Mundharmonika, aber andere Instrumente beherrsche ich nicht. Gitarrenunterricht hatte ich auch nie. Eigentlich spiele ich auch echt nicht gut Gitarre. Bei King Lui Van Beethoven war es für mich allgemein einfacher, da hatte ich in der einen Hand das Mikro und in der anderen ein Bier und ab ging’s! Nun ist es viel stressiger, da ich die Gitarre in der Hand und das  Mundharmonikagestell vor dem Mund habe und dabei auch noch das Mikro treffen muss. Und dann muss du auch noch Bier trinken! Genau! Und dann muss ich auch noch irgendwie Bier dazu trinken! Das ist schon schwierig… Na ja, ich würde eigentlich gerne Klavier spielen lernen, aber dafür bräuchte ich mehr Disziplin und Zeit.

"Komm, ich tu mal so als ob ich Drummer wäre!"
„Komm, ich tu mal so als ob ich Drummer wäre!“ (Brickwater)

Was machst du hauptberuflich und stört sich dein Job mit dem Musizieren?
Ich bin Erzieher im Hort und dadurch, dass ich nur vier Tage die Woche arbeite gibt es genug Zeit für Musik.

Ist in Zukunft eine größere Tour auch außerhalb Frankens geplant? 
Noch nicht. Ich bin da noch nicht wirklich zu gekommen, da ich mich in Sachen Booking noch nicht so auskenne und immer noch in der Expermentierphase bin.

Bei der Frage nach der nervigsten Interviewfrage, fällt Brickwater keine ein. Deshalb stellen wir einfach mal unseren Favoriten, der nervigsten-Interviewfragen-ever zum ersten und wohl letzten Mal:

Wie kam es zu dem Namen „Brickwater“?
Als ich angefangen habe, habe ich nach der kleinsten Stadt in Amerika gesucht und die hieß so ähnlich wie Brickwater. Dadurch ist das irgendwie entstanden. Das Wort hat einfach einen schönen Klang. Da darf jeder irgendwas reininterpretieren, da es auch so abstrakt ist. Ich stelle mir da immer so einen Bach aus Backsteinen vor.

Hast du musikalische Vorbilder an denen du dich orientierst?
Keine wirklich festen Vorbilder. Also angefangen hat alles mit Hot Water Music und Chuck Ragan. Mittlerweile bin ich aber sehr breit gefächert. Es geht oft in die Singer-Songwriter Richtung, aber auch alle anderen Musiksparten.

Wenn du eine Band oder einen Solokünstler live sehen könntest, wer wäre dies?
Bruce Springsteen würde ich gerne mal live sehen, einfach um sagen zu können „Ich habe Bruce Springsteen live gesehen!“ Und Future Islands! Die machen so 80er Pop, crazy stuff. Die müssen live ganz cool sein. Hot Water Music müssen auch mal wiederkommen!

Oh ja! Die waren doch vor einer Weile mal wieder in Amerika unterwegs…
Ja, aber die kommen leider nie rüber…  Ich hätte damals auch so gerne Chris Wollard and the Ship Thieves, das Soloprojekt vom anderen Hot Water Music Frontmann gesehen.

"Ich will mich eigentlich nicht in irgeneine Bahn zwängen lassen." (Brickwater)
„Ich will mich eigentlich nicht in irgendeine Bahn zwängen lassen.“ (Brickwater)

Was sind deine Wünsche für die Zukunft von Brickwater?
Boaaaahhhh! *Überlegt* Ich will es bei den spontanen Entstehungsgeschichten, wie die des Albumcovers und der EP-Aufnahmen belassen und weiß nicht, ob ich da einen großen Job draus machen will. Ich will mich eigentlich nicht in irgendeine Bahn zwängen lassen, sondern einfach nur Musik machen! Alles andere kommt mit der Zeit. Es ergibt sich ja immer wieder etwas Neues.

In dem Song „The Carpet“ geht es darum die Stadt zu verlassen. Könntest du dir vorstellen Nürnberg zu verlassen oder fühlst du dich in der lokalen Szene wohl? 
Den Song „The Carpet“ habe ich für einen Freund, der ein Jahr lang aus Nürnberg weggegangen ist geschrieben. Den haben wir auch teilweise zusammen geschrieben, in der Nacht bevor er weggezogen ist. Es war genauso, wie es in dem Song beschrieben ist. Wir haben eine Flasche Wein gesoffen und diesen Song gemacht. Zur Frage: Ich finde Nürnberg voll schön, könnte mir aber auch vorstellen wegzuziehen. Aber da bin ich so spontan wie bei den anderen Sachen, ich lasse das einfach auf mich zukommen. Woanders kann es ja auch schön sein. Aber Berlin ist zum Beispiel so eine Stadt, die mich gar nicht reizt.

Findest du, dass es genug Auftrittsmöglichkeiten in der Region gibt?
Auf jeden Fall! Klar, könnte es mehr geben und einfacher für Veranstalter sein. Aber das ist ja immer so. Wir haben mit Homies & Spasten schon viele Konzerte in der Region veranstaltet. Anfangs haben wir ja auch hier Proberaumkonzerte gemacht. Das wurde uns (Homies & Spasten Anm. d. Red.) allerdings unmöglich gemacht, da die Behörden darauf aufmerksam wurden und uns die Auflage gegeben haben einen Feuerwehrmann für 300,- Euro zu buchen… Na ja, es gibt meiner Meinung nach dennoch viele Möglichkeiten in der Region, aber es könnte alles um einiges einfacher sein. Es wollen leider immer viele Leute mitreden und die legen einem dann oft Steine in den Weg. Die Quelle wäre ja auch etwas gewesen, dass man irgendwie, zumindest teilweise hätte erhalten können. Nun müssen wir am Ende des Jahres raus und haben keinen Ersatzraum. Hier kommt dann ein Einkaufszentrum hin, obwohl es ein paar Meter weiter schon ein Einkaufszentrum gibt. Das ist halt total dumm! Da hat die Stadt Nürnberg mal wieder ihre geringe Wertschätzung für so etwas bewiesen…

Video: Brickwater  und Sexboy  – The Head (is pondering back and forth) aufgenommen auf dem Dach des Quellegebäudes in Nürnberg.

Brickwater online:
www.facebook.com/brickwatermusic
www.brickwater.bandcamp.com

Interview: Lea und Lorena
http://www.facebook.com/soundofER

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