Interview: Dead City Rockets

Bevor der Z-Bau in Nürnberg vom 02.-04.10. offiziell eröffnet wird, hat das Team des Kulturzentrums zu einem Pre-Opening, also einer Probeeröffnung eingeladen. Zutritt haben nur Besucher, die es auf die Gästeliste geschafft haben. Wir nutzen die Gelegenheit um die Punkband Dead City Rockets, die neben KanDo an diesem Abend spielen zu interviewen. Als wir gegen 18.30 am Z-Bau eintreffen sind die Dead City Rockets noch mit ihrem Soundcheck beschäftigt. Eine viertel Stunde und eine Kippenpause später entern wir dann den Backstageraum, in dem KanDo fröhlich vor sich hin musizieren und beginnen die Gesprächsrunde mit Tim (Bass/Gesang), Chris (Gitarre/Gesang), Basti (Schlagzeug) und Chk (Gitarre).

Eure Single „Medication“ ist für mich gefühlsmäßig ein Song, der thematisch Punkrock als Droge beschreibt und sich gegen den Popeinheitsbrei auflehnt. War für euch immer schon klar, dass ihr Punkrock machen wollt?
Basti: Ich war zu schlecht für Metal…
Chris: Erstmal nein, der Song handelt eigentlich nicht davon (lacht). Aber das ist auch eine coole Interpretation. Der Song handelt eigentlich eben von Medication, also Ritalin. Den Text habe ich geschrieben. In den 90ern kam ja diese ADS-Welle auf und mein Lehrer hat es damals für nötig befunden mich bei so einem Aufmerksamkeitsdefizitprogramm anzumelden. Da sollte ich dann eben Tabletten nehmen. Ich habe mich damals auch schon mit Punkrock beschäftigt und habe mich gegen die Tabletten aufgelehnt und diese einfache nicht genommen. [Es entsteht eine kleine Diskussion darüber was Chris sonst so mit den Pillen angefangen hat..]

Chris: Um deine eigentliche Frage zu beantworten: Ja, es war eigentlich immer klar, dass wir Punkrock machen wollen.

Welche Bands würdet ihr als eure Einflüsse bezeichnen?
Tim: Alter englischer Punkrock, wie Sex Pistols und The Clash. Aber auch amerikanische Bands, wie die Ramones und U.S. Bombs. Teilweise auch rockigere Sachen wie Backyard Babies.

Wie seid ihr als Band zusammengekommen?
Tim: Chris (Gitarre/Gesang) und ich kannten uns schon eine Weile und haben vorher auch in anderen Bands gespielt. Anfangs hat uns Chris‘ Bruder (Peter Laut Anm. d. Red.) am Schlagzeug unterstützt. Nachdem der ausgestiegen ist, kam Basti dazu. Den kenne ich schon seit gut 16 Jahren. Er hat vorher eigentlich eher in Rock/Metalbands gespielt.

Chris: Ja, aber dafür war er halt zu schlecht! (Gelächter)

Tim: Irgendwann letztes Jahr konnte Chris bei einem Gig nicht und dann haben wir Chk als Aushilfe genommen und dann kam eben die Idee, dauerhaft mit einem zweiten Gitarristen zu spielen. So ist die jetzige Besetzung zustande gekommen.

Du, Chris bist unter dem Namen „Sexboy“ in letzter Zeit oft solo unterwegs, da dürfen auch mal vergleichsweise ruhigere Bands wie The Gaslight Anthem gecovert werden. Ist es für euch als Band auch denkbar generell ruhiger zu werden?

Chris: Ich glaube als Band überlegen wir uns überhaupt nicht, ob wir ruhiger oder lauter werden. Der Sound entsteht eigentlich mehr oder weniger im Proberaum. Es kommt meistens irgendjemand mit einer Songidee, meistens Tim, und wir kaspern das dann zusammen aus. Dass jemand sagt: „Wir müssen uns jetzt verändern, wir müssen ein wenig jazzig werden!“, kommt eigentlich nicht vor.

Dann nimmt Tim mir meine nächste Frage nach der ruhigen Nummer „Knowing Better“ einfach mal vorweg:

Tim: Auf der aktuellen Platte war der letzte Song „Knowing Better“ für unsere Verhältnisse schon ziemlich ruhig. Da gab es vorher aber auch nicht die Überlegung á la „Wir brauchen da jetzt einen ruhigen Song.“, der ist einfach so entstanden. Unsere ruhigere Seite leben wir dann eher bei unseren Akustik-Gigs aus.

Chris: Für die Akustik-Gigs haben wir auch den ein oder anderen Song umarrangiert.

Dead City Rockets live im Z-Bau
Von rechts nach links: Chk (Gitarre), Tim (Bass/Gesang), Basti (Schlagzeug) und Chris (Gitarre/Gesang)

Wie ist bei euch die Aufgabenverteilung in der Band?
Allesamt deuten auf Chris.
Chris: Also bei der Plattenveröffentlichung von „the war is on“ habe ich mich schon um ziemlich viel gekümmert, aber wir haben eigentlich immer versucht die Aufgaben aufzuteilen. Wir sind leider nicht so gut im organisieren von Dingen… Ich habe eine Zeit lang am meisten gemacht und jetzt macht jeder das worauf er am meisten Bock hat.

Basti: Also gar nichts mehr!

Chris: Genau, gar nichts mehr! (Lacht) 

Chris: Also für das Artwork der Platte habe ich meine Tattoowiererin Calina Hein (Rabenschwarz Tattoo) gefragt, sie hat dann das Cover gemalt. Das Backcover ist von Frank Boettcher und das ganze Design hat Arne Marenda (Rudeart) gemacht. Das haben Tim und ich dann mit ihm durchgesprochen und eben so pressen lassen.

Wenn man auf eure Homepage schaut, sieht man ein Einschussloch auf dem verlinkten Facebooklogo. Steht ihr den Sozialen Netzwerken eher kritisch gegenüber oder seht ihr es als einfache und gute Veröffentlichungsplattform für Bands?

Chris: Das Einschussloch habe ich gemacht, aber ich habe mir eigentlich gar nichts dabei gedacht! Ich finde es auch ziemlich heuchlerisch, wenn man den ganzen Tag in Facebook rumhängt und dann darüber schimpft. Ich weiß nicht, ob man generell als Band Facebook kritisch gegenüber stehen sollte oder kann.

Chk: Du musst als Band heutzutage ja auf Facebook aktiv sein.

Basti: Das notwendige Übel eben.

Chris: Ja, notwendiges Übel ist wohl das beste Wort dafür.

Ihr habt euer aktuelles Album auf Vinyl mit Downloadcode veröffentlich. War euch das sofort klar oder habt ihr gerade finanziell gesehen auch die Idee gehabt das Ganze einfach über Streamingdienste rauszuhauen?
Tim: Die Idee gab es schon…

Chris: Finanziell gesehen ist das Ganze natürlich, wenn man mal ehrlich ist, ein Desaster für eine kleine DIY-Band. Wir reden da über mehrere tausend Euro. Aber finanziell haben wir da überhaupt keine Sparambitionen gehabt und haben diese auch immer noch nicht. Es war eigentlich sofort klar, dass die Songs auf Vinyl müssen, weil man einfach ein ganz anderes Medium und ganz andere Qualität der Musik hat.

Tim: Es haben auch bei unserer vorherigen EP, die auf CD erschienen ist, Leute nach einer Vinylvariante gefragt. Die Kohle um auf  CD und Vinyl zu veröffentlichen war einfach nicht da, weil wir auch kein Label haben, das uns unterstützt.

Chris: Wir haben sehr viel live gespielt um das Ganze zu finanzieren und haben dennoch selbst viel Geld reinpulvern müssen. Wir haben jetzt zwischen 150 und 200 Platten verkauft.

Wie viele habt ihr pressen lassen?
Chris: 500, das ist das Minimum das man pressen lassen muss. Es gehen auch 300, aber das macht dann irgendwie 10,- Euro Unterschied oder so. Unsere Verkaufszahlen sind an sich nicht schlecht, da man die Platte ja auch nur über unseren Onlineshop oder am Merchstand bei unseren Konzerten kaufen kann. Was den Onlineshop betrifft, habe ich anfangs echt ewig daheim gehockt und die verpackt. Da wir ja so super D.I.Y. sind, habe ich auch zu jedem Paket einen kleinen Brief mit einer Danksagung geschrieben. Das ist mir wichtig und macht Spaß, auch wenn es viel Arbeit macht. Wenn man D.I.Y. sagt, ist es halt auch so!

Wie lange hat die Entstehung gedauert?
Basti: Puh, das hat so ungefähr ein Jahr gedauert.

Chris: Also die Zeit von der ersten EP bis zur LP betrug etwa 1,5 Jahre. Die wirkliche Arbeitsphase hat ca. sieben Monate gedauert.

Tim: „Am Ende ist es laut, verstärkt und verzerrt am coolsten.“

Ihr kommt ja alle hier aus der Gegend, Nürnberg und Erlangen. Wie ist für euch der Standort als Band in Bezug auf Auftrittsmöglichkeiten, Locations und die Szene?
Tim: Es gibt schon genug Möglichkeiten, aber irgendwann dreht es sich halt im Kreis und man hat in allen Locations gespielt.

Basti: Es geht schon was.

Chris: Ja, wieder! Wir heißen ja nicht umsonst Dead City Rockets. Euer Aufkleber „In Erlangen geht nix!?“ hat früher aber noch besser gepasst. Also in unserer späten Jugend (mit Ende 20!) gab es in Erlangen halt das E-Werk, das war für uns irgendwann nur noch eine Disko, da gab es kaum interessante Konzerte. Aber jetzt bessert sich das Ganze gerade wieder. Es entsteht eine fröhliche Szene. Bei meinem Gig im Wort&Klang (die Galerie dazu findet ihr hier Anm. d. Red.) zum Beispiel hat es mir super gut gefallen, sowas gab es zu unserer Zeit leider nicht. Da gab es den Schlupfwinkel, das Bogartz und die ganzen Irish Pubs… und es gibt natürlich die Scheune, da haben wir teilweise sogar Konzerte veranstaltet. Dann kam irgendwann das Selbstverwaltete Jugendhaus Erlangen dazu, das ziemlich cool ist.

Haltet ihr die Zusammenarbeit mit den lokalen Veranstaltern für kompliziert?
Chris: Es haben sich ja viele Veranstalterkollektive im D.I.Y. Bereich gebildet. Wir sind ja auch bei den Homies & Spasten aktiv. Es ist natürlich manchmal kompliziert, aber auch unheimlich cool, wenn man selbst auch Veranstalter ist und zeitgleich in Bands spielt. Dann lernt man ganz anders mit anderen Leuten im Veranstaltungsbereich zu kommunizieren und Dinge zu regeln.

Was war der am weitesten von Erlangen entfernte Ort an dem ihr je gespielt habt?
Basti: Berlin

War’s gut?
Chris: Ja, war ziemlich geil.

Basti: War ich dort dabei?

Chris: Ja, du hast aus dem Fenster gekotzt auf dem Heimweg. Das war um Weihnachten rum.

Basti: Kalt war’s.

Ist es anders dort zu spielen, als hier in der Gegend?
Chris: Ja, in Bezug auf Annonymität. Immer wenn man weiter weg ist als Band führt man sich ganz anders auf.

Schlimmer oder besser?
Chris: Das weiß ich nicht…

Basti: Da trägt man Anzug und Krawatte!

Chris: Wenn man hier ist, steht halt jeder nach der Show irgendwo herum und unterhält sich mit seiner Frau oder Freunden. Wenn man weiter weg spielt, beschäftigt man sich eher intern mit der Band.

Steht auch die Idee im Raum über einen längeren Zeitraum auf Tour zu gehen?
Chris: Ja, natürlich. Aber das ist organisatorisch und finanziell eben sehr aufwendig, aber wir wären an sich sofort bereit dazu. Aber wir sind ja auch keine Berufsmusiker. Also die beiden sind so mehr oder weniger Hauptberufliche und du, Chk eigentlich auch. Oh man! Nur ich habe den Day-Job. Oh man… (Lacht)

Basti, du arbeitest als Schlagzeuglehrer. Kommen deine Schüler auch mal zu euren Gigs?
Tim: Ja, als Lakaien.

Chk: Als Knechte!

Basti: Joa, manche kommen schon. Die helfen auch gerne.

Chris: Also Basti ist auch der Einzige in der Band der Roadies hat.

Basti: Ach… Manche kommen eben zu den Gigs und wollen uns mal live sehen. Ab und zu gibt es auch erwachsene Schüler, wie den Fabi, der hilft dann auch mal mit und macht dann den Roadie.

Chk, wie war es für dich, als du als zweiter Gitarrist dazu gekommen bist? Haben sich die Songs dadurch verändert?

Chk: Ich habe halt irgendwie mein Zeug reingespielt und die Jungs meinten, dass das so passt. Verändert habe ich an sich nichts. Ich spiele die Songs nur ein wenig anders als Chris.

Chris: Besser!

Bist du nur live oder als festes Bandmitglied dabei?
Chris: Er ist schon richtig dabei.

Chk: Ja, ich denke schon.

Basti: Wenn wir proben, sind wir zu viert. Also wahrscheinlich ist er als festes Bandmitglied dabei.

Chris, bei dir steht jetzt erstmal eine Babypause an. Legt ihr somit die Band komplett auf Eis?
Chris: Also komplett auf Eis legen werden wir die Band sicher nicht, aber die Prioritäten sind natürlich etwas anders. Wir werden wohl vorerst weniger spielen und uns vielleicht dadurch mehr mit dem Songwriting beschäftigen und vielleicht eine neue Platte machen. Und dann kommt das große COMEBACK! Das ist ja momentan angesagt…

Chris: „Ich finde es auch ziemlich heuchlerisch, wenn man den ganzen Tag in Facebook rumhängt und dann darüber schimpft.“

 

>> Fragt euch selbst – das Kartenspiel <<

Zum Abschluss des Interviews spielen wir ein kleines Karten-Fragespiel mit den Dead City Rockets. Jeder darf abwechselnd eine Karte ziehen und die daraufstehende Frage einem jeweils anderen Bandmitglied stellen:

Chk traut sich als Erster.

Chk: Basti, ich frage dich: „Moshpit oder erste Reihe?“
Basti: Klo!

Als nächster ist Basti an der Reihe eine Karte zu ziehen.

Basti: Also Tim, „Kontrollverlust oder Ordnung?“ (Gelächter)
Tim: Kontrollverlust
Basti: Gestern erst…
Tim: War doch gar nicht so schlimm gestern!

Chris ist an der Reihe.

Chris: Da muss ich den Basti fragen, beim Rest wäre die Antwort „Jeden Tag“. Also Basti, „Wann hattest du das letzt Mal einen richtig üblen Kater?“
Basti: Hä? Achso, das Ding!
Chris: Ja, keine Katze…
Basti überlegt lange.

Chris: Bei der Englandtour?
Basti: Das war ja kein Kater, das war eine ganze Herde. (Überlegt weiter)
Basti: Hmmm… nee das ist schon ein wenig her.
Chris: Soll ich den Tim fragen? Dann sagt er: „heute“!
Basti: Du hast mich gefragt, jetzt dauert’s… Ähem, vorgestern!
Chris: Gelogen! (Kichert)
Basti: Das war nicht gelogen!

Tim zieht schnell eine Karte.

Tim: Ach, das ist eine für den Schnupfer (Chris): „Chuck Ragan oder Brian Fallon?“
Chris: Ähem… also wenn ich mich für einen entscheiden muss, dann Fallon.

Chk zieht wieder eine Karte.

Chk: Ich frage euch alle: „Welchen Song würdet ihr gerne mal live covern?“
Basti: Böhse Onkelz (Zynisches Gelächter und Stöhnen von allen)
Basti: Das war Spaß, ne!? o.O
Chris: Ich würde gerne von Against me! “ White People for peace“ covern.
Tim: Was ich immer mal gerne machen wollte, mich aber noch nicht getraut habe, ist „look at you“ von den Backyard Babies.
Chris: Chk?!
Chk: Ich hätte Bock auf irgendetwas von Gluecifer. Von der „Atomatic Thrill“ irgendetwas.
Basti: Irgendwas von Iron Maiden, na Schmarrn: Metallica – Motorbreath
Chris: Ach ja stimmt! Das haben wir sogar mal versucht…

Lea (SOE): Aber nicht hinbekommen?
Chris: Keiner konnte den Text. (Gröhlt)

Chris zieht die vorletzte Karte.

Chris: Oh, das muss ich den Tim fragen: „Akustisch oder verstärkt?“
Tim: Verstärkt, weil das am meisten Spaß macht. Akustische Gigs sehe ich eher als etwas Besonderes, so zur Abwechslung. Am Ende ist es aber laut, verstärkt und verzerrt am coolsten.

Basti nimmt die letzte Karte und wirkt etwas verwirrt… Chris schaut auf die Karte.

Chris: Achso, „Gehen oder bleiben?“
Basti: Das ist doch eigentlich eine Frage an euch (das Sound Of Erlangen Team Anm. d. Red.)!

Lea & Lorena: Also wir bleiben noch ein bisschen und schauen uns das Konzert an.

Basti: Ich nehm mir noch ein Bier und gehe dann heim!

Cheers und Danke für’s Interview!

 

www.deadcityrockets.dewww.facebook.com/deadcityrockets

Eine großartige Galerie von dem weiteren Abend im Z-Bau findet ihr bei Rudeart.

Interview: Lea und Lorena

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s