Interview: The Hatchets

The Hatchets sorgten am Freitag, den 16.10.2015 für das erste wirklich laute Konzert im Wort&Klang. Ganz im Gegensatz zu dem wilden Abend haben wir uns vorab für eine entspannte Interviewrunde ebenfalls im Wort & Klang getroffen.

Ihr seid seit 11 Jahren zusammen unterwegs. Wie waren denn eure Anfänge?

Franz: Ich hab mit 13/14 Jahren angefangen Gitarre zu spielen und mein kleiner Bruder Wenzel hat irgendwann angefangen Schlagzeug zu spielen. Bei unserem ersten Auftritt war er 14 und ich 17. Unser Dad spielt auch in einer Band, dadurch sind wir schon früh viel herumgekommen und hatten eben auch immer einen Proberaum. Da haben wir viel gejamt und dann haben wir eigene Songs gemacht. Dadurch, dass unser Vater selbst Rock’n’Roll, Punkrock und Soul Fanatiker ist und eine riesige Plattensammlung hat, hatten wir immer einen guten Zugang zu Musik. Im Kinderzimmer liefen dann im Prinzip die Beatles und Ramones und wir haben dazu „Band gespielt“ mit Stöcken und Tennisschlägern. Mein Bruder und ich haben dann The Hatchets gegründet, erst mit einem anderen Kumpel am Bass und als der dann für ein Jahr nach Spanien gegangen ist, kam Jochen 2008 als neuer Bassist in die Band.

Jochen (Bass) seit 2008 festes Bandmitglied
Jochen (Bass) seit 2008 festes Bandmitglied bei The Hatchets.

War es damals sofort klar, dass Jochen nicht nur vorübergehend sondern komplett dabei ist?
Franz: Max, unser alter Bassist ist eben auch ein guter Kumpel von uns und der wollte eben auch, dass Jochen das macht. Da war dann auch direkt klar, dass er es komplett übernimmt.

Jochen: Ich habe so im Alter von 10-16 Jahren Klavier gespielt und konnte auch Gitarre spielen.

Franz: Sich dann Bass Basics draufzuschaffen ist ja relativ einfach. Wir hatten dann einen ziemlich intensiven Probesommer und dann war Jochen unser Bassist.

Gab es jemals die Idee sich z.B. einen Keyboarder als viertes Bandmitglied an Bord zu holen?
Franz: Dadurch, dass wir drei uns so gut kennen ist alles sehr entspannt und es gibt eigentlich nie Probleme, dadurch haben wir nie wirklich darüber nachgedacht noch jemanden mit in die Band zu holen.

Ihr kommt aus Bayreuth und Erlangen. Wenn ihr die beiden Städte vergleicht – wo ist die Musikszene lebendiger und wie sieht es mit Chancen aus Auftrittsmöglichkeiten zu finden?
Franz: Ich habe sieben Jahre in Erlangen gewohnt und Jochen auch ein paar Jahre.
Jochen: Ja, zwei Jahre habe ich hier gewohnt! Wir haben in Bayreuth den großen Vorteil, dass es dort die Schokofabrik gibt. Dort sind wir auch als Veranstalter mitengagiert. Dadurch ist es dort für uns einfacher auch selbst aufzutreten, aber hier in der Region (Erlangen, Nürnberg, Fürth) gibt es tendeziell mehr Möglichkeiten.

Franz: Ja, so kann man es sagen. Also in Erlangen haben wir z.B. beim Newcomer Festival im E-Werk gespielt. Ansonsten gab es nicht allzu viel in Erlangen, mir fällt jetzt spontan nur das Omega ein und dadurch, dass wir und meine Family in der Schokofabrik aktiv sind ist es da natürlich einfacher. Wir haben dort unseren zehnten Geburtstag gefeiert und veranstalten am 31. Oktober dann das zweiter Shake, Schoko und Roll zu unserem elften Bandgeburtstag. Hier haben wir in Fürth im kunstkeller o27 schon oft gespielt, der hat uns auch maßgeblich geprägt oder eben das K4.

The Hatchets (c) Lorena Seipp
Franz (Gitarre/Gesang)

Euer zehnjähriges Jubiläumskonzert war ausverkauft. Würdet ihr diese Show als besonderen Meilenstein bezeichnen oder gibt es ein anderes Konzert, dass euch besonders gut im Gedächtnis geblieben ist?
Jochen: Also das Jubilläumskonzert kommt defintiv unter die Top 5. Aber es gab natürlich auch viele andere gute Konzerte. Wir haben zum Beispiel beim RAUH Open Air gespielt. Das war so mein Highlight, da waren ca. 500 Leute, die echt vollkommen dabei waren.

Franz: Das Shake, Schoko und Roll war halt richtig cool, weil die anderen Bands, die gespielt haben Kumpels von uns waren. Mein anderer Bruder hat dort dann mit seiner Band The Rolling Chocolate Band seinen ersten Auftritt gehabt. Das war etwas besonderes, aber nicht nur wegen der Zuschauerzahl.  Ein anderes Highlight war für mich auch das Rockin‘ Bayreuth, das es leider nicht mehr gibt.

Was war der von eurer Heimat am weitesten entfernte Gig, den ihr bis jetzt gespielt habt?
Franz: Das ist ganz einfach! lacht

Jochen: Wir waren in Rennes (Frankreich), die Partnerstadt von Erlangen. Da hat das europäische Jugendparlament ein Festival organisiert.

Franz: Das war in 2010.

War das Publikum anders als hierzulande?
Franz: Das Ganze war eigentlich gut organisiert. Das Blöde war allerdings, dass das Festival weit außerhalb war und die Leute während unserem Gig zum letzten Bus abhauen mussten. War aber trotzdem ein spaßiges Konzert. Wir haben das ganze Wochenende bei einem Franzosen übernachten können, der uns dann Rennes gezeigt hat und wir haben dann mit dem rumgehangen. Das war eigentlich das Coole. Dieses Roadtripfeeling war auch sehr schön.

Könntet ihr euch aktuell vorstellen durch Europa zu touren? Ist etwas in Planung? 
Franz: Vorstellen können wir uns das auf jeden Fall!

Jochen: Ja, schon!

Franz: Das Problem daran ist nur, dass wir nun alle berufstätig sind. Prinzipiell wäre es aber cool, dass zum Beispiel auch als Supportact für eine andere Band in Deutschland zu machen. Wenn sich was ergibt, geplant ist leider nichts.

Jochen: Wir haben das diesen Sommer immer Wochenendweise gemacht. Das war dann schon so eine Art Tour.

Habt ihr mit eurer jahrelangen Erfahrung auch ein paar Tipps an andere Bands?
Franz: Ich weiß nicht, ob wir erfolgreich genug sind um irgendwelche Tipps zu geben… lacht  Es ist schwierig. Ich liebe es eben zu jammen, Gitarre zu spielen und einfach Spaß mit Jochen und Wenzel zu haben, aber ich bin mir im Klaren, dass wir damit nicht unser Geld verdienen werden. Aber so abgedroschen das auch klingen mag, man es sollte es eben machen, weil man Spaß daran hat und nicht weil es vielleicht cool ist in einer Band zu sein. Mach das was dir gefällt. Ansonsten braucht man eben auch einfach Glück und muss sich krass reinhängen! Wir versuchen eben möglichst viele Gigs zu bekommen, aber es kommt eben immer darauf an, ob die Veranstalter Bock auf unsere Art von Musik haben.The Hatchets (c) Lorena SeippIhr spielt eine Mischung aus Punk und Rock’n’Roll. Was würdet ihr als eure musikalischen Einflüsse benennen?
Jochen: Puh, also das ist eigentlich genau das…

Lasst uns doch mal eine Runde „Namedropping“ spielen.
Franz: Da könnten wir ja eine endlose Liste machen…

Jochen: Ja, also von den Neueren sind es eher Bands aus Skandinavien, wie Gluecifer., Hellacopters. Dann aber auch Ramones. Ich höre aber auch sehr viel Green Day. Mike Dirnt hat mein Bassspiel sehr beeinflusst. Sonst auch Beatles und viel 60er Zeug. Oasis habe ich viel gehört. Hives!

Franz: The Hives waren ja eine Zeit lang ganz schön gehyped. Also aus meiner Sicht ist es bei uns Punk’n’Roll, weil ich den 50er Jahre Rock’n’Roll liebe. Wenn ich Gitarrensoli spiele, versuche ich Chuck Berry nachzumachen. Er beeinflusst mein Gitarrenspiel wohl am meisten. Dann gibt es noch eine wichtige Band, die heißen M.O.T.O. (Masters Of The Obvious) die sind leider vollkommen unbekannt. Dazugehört eben Paul Caporino, der hat auch schon öfters in kunstkeller o27 gespielt. Der ist der absolute Wahnsinn, wir sagen immer das sind die Beatles des Punkrock!

Jochen: Johnny Cash, sollten wir noch erwähnen!

Franz: Ich höre auch sau viel Country. „When the man comes around“ ist eins der Alben, die ich am meisten gehört hab.

Ihr seid auf Youtube aktiv in Form von Videoblogs und Konzerttagebüchern. Ist in nächster Zeit auch mal ein richtiges Musikvideo geplant?

Franz: Dafür müssten wir endlich mal ins Studio gehen und einen gescheiten Longplayer aufnehmen. Das wollen wir nächstes Jahr auch endlich durchziehen. Wir haben bisher nur eine Demoaufnahme von 2008, aber uns ist auch privat viel dazwischen gekommen, weswegen ein Studioaufenthalt nicht geklappt hat. In der Schoko gibt es auch Leute, die sich mit Videodrehen und Livemitschnitten auskennen, das ist praktisch.

Wie läuft bei euch das Songwriting ab?
Jochen: Also die Texte schreibt meistens der Franz. Wir jammen eben viel im Proberaum. Die Texte kommen dann meist zuletzt. Es kommt auch mal vor, dass es dann auf einen Auftritt zugeht und wir uns denken: „Mist, wir brauchen da noch einen Text!“ lacht

Franz: Ja, aber es ist nicht immer so!

Jochen: Ja, das stimmt!

Franz: Also Jochen und ich jammen halt viel zusammen und der Wenzel auch. Wir spielen da auch alle Musikrichtungen durch, auch welche die wir live niemals spielen würden. Dabei entsteht viel Blödsinn, aber auch mal ein geiles Riff bei dem wir uns denken: „Ja, das klingt gut!“. Aber es gibt auch Lieder bei dem wir das Riff zwar hatten, aber auch direkt einen Refrain dazu hatten und da basteln wir dann ein wenig dran rum. Es entsteht alles eher beim Jammen. Mir macht es schon Spaß Texte zu schreiben, aber das Musik machen ist für mich dann doch spaßiger. Ich bin wohl nicht der größte Dichter…

  • DAS VOLLKOMMEN SINNLOSE FRAGENMEMORY •

Frangen-MemoryZum Abschluss spielen wir eine Runde Frangenmemory (Leas großartige Idee, die ich in ihrer Abwesenheit einfach mal klaue). Dafür habe ich 12 Karten mit Begriffen drauf vorbereitet. Die Begriffe ergeben „Entweder-oder-Fragen“. Die beiden müssen jeweils eine Karte ziehen, diese vorlesen und haben dann drei Versuche die nach ihrer Einschätzung passende Gegenkarte zu finden, ansonsten müssen sie sich auf die gezogene Begriffgegenüberstellung antworten.

Franz zieht die erste Karte: „Eigenes Konzert“

Jochen zieht die Zweite: „Rock’n’Roll“

Franz: Ich weiß was man dazu sagen kann! Also wir machen ja Rock’n’Roll: Shake, Schoko und Roll am 31. Oktober 2015 als kleine Halloweenparty und das ist dann ein eigenes Konzert.

Interessant! War zwar nicht so gedacht, aber das ist ja auch gut…

Jochen zieht die nächste Karte: „Download“

Franz nimmt das Gegenstück: „Erlangen“

Beide: Lachen Download oder Erlangen??! Puh, da müssen wir nochmal ziehen…

Nächste Karte: „Studio“

Franz: Kann man da irgendwas draus machen… Also wir sind beide fanatische T-Shirtsammler bei Konzerten und der Jochen kauft sich immer noch die CD dazu. Da sagen wir hier dann auch einfach Studio?! Ähem vielleicht machen wir doch unseren dritten Versuch?!

Der letzte Versuch besagt dann: „Kneipe“

Franz: Also „Download oder Kneipe“.

Jochen: Na ja, Kneipe! Live ist immer besser als ein Download!

Franz: Wir gehen gerne auf Konzerte. Also immer lieber Livemusik, wobei man wenn man daheim ist halt auch nicht immer Livemusik haben kann…

Das ist richtig. Das eigentich Gegenstück zu „Download“ wäre „Vinyl“ gewesen.

Jochen: Da hätten wir wohl Vinyl gesagt.

Franz: Meine Brüder haben sich wieder Vinylplayer gekauft, ich noch nicht. Aber mit meinem Papa habe ich auch immer Vinyl angehört oder Kassetten, deswegen würde ich auch eher Vinyl oder CD sagen. Wobe ich mittlerweile auch spotify oder soundcloud cool finde, da man dort auch unbekannte Künstler einfach entdecken kann. Die konnte man halt früher nicht einfach so finden, da musste man schon zu Konzerten gehen und die Sachen kaufen. Jetzt kann man einfach mal so bei einer Band aus China oder so reinhören.

Das ist an sich auch eine gute, einfache Veröffentlichungsmöglichkeit. 

Franz: Von illegalen Downloads bin ich halt gar kein Fan, aber bei z.B. Bandcamp kann man als Band ja selbst einstellen wie das Ganze ablaufen soll.

Die nächsten beiden Karten sind „Punk“ und „Live“.

Franz: Daraus kann ich was machen! Ich höre Punkrock lieber live, als auf Platte. Momentan höre ich viel Folk und Country daheim und gehe dennoch eher zu Punkrock oder Rock’n’Roll Konzerten.

Jochen: Ich höre Musik eher im Auto und da ist es gut, wenn es schnell ist. Das wirkt sich dann auch auf meinen Fahrstil aus.

Franz: Als ob du so ein Rowdie wärst…

Jochen: Ich halte mich natürlich an alle Begrenzungen, bin aber flüssig unterwegs. lacht

Franz: Schön gesagt! Wollen wir nochmal versuchen ein sinnvolles „Entweder-Oder“ zu ziehen?

Alle restlichen Karten werden aufgedeckt. Also: „Bayreuth oder Erlangen“.

Franz: Bayreuth oder Erlangen kann man schwierig sagen, ich liebe beides. Wirklich. Bayreuth ist halt unsere Heimat und Erlangen ist in den letzten sieben Jahren meine Heimat geworden. Musiktechnisch ist es ja cool, dass ihr hier jetzt so viel macht.

www.facebook.com/TheHatchets

www.facebook.com/wkcafebar

Interview und Fotos: Lorena
Fragen-Memory Idee: Lea

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