Newcomer Festival 2015 – Das Fazit

Am gestrigen Freitag ist die wohl vorerst letzte Mail in Bezug auf das Newcomer Festival rausgegangen und das Kapitel „Newcomer Festival 2015“ wurde damit geschlossen. Somit ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen.

2500 Programmhefte, 1060 Konzertminuten, rund 700 BesucherInnen, 150 Plakate, rund 140 Mails und Facebooknachrichten, 100l Freibier, 74 MusikerInnen, 55 Bandbewerbungen, 26 Shows, 24 Wochen Vorbereitung, 18 Bands, 15 Techniker, 14 Juroren, 7 Gewinne, 6 Bühnen, 4 Vorentscheide, 4 Locations, 3 Wochenenden,  2 Moderatoren – ein Festival.

Das war das Newcomer Festival 2015 in Zahlen. Gemeinsam haben wir uns die Finger wundgetippt, einen Slalom um alle Steine, die uns netterweise in den Weg gelegt wurden gemacht und letztlich ein Newcomer Festival mit neuem Besucherhoch geschaffen. Vier abwechslungsreiche Vorentscheide zwischen Euphorie und Enttäuschung, sowie das große Finale im E-Werk sind nun vorbei.

Was am Ende bleibt sind ein Haufen schöner Erinnerungen, die teilweise fotografisch (hier klicken) und videotechnisch ( Live & Vorbericht & Red Audio Doku) aufgezeichnet wurden.

Der Wettbewerb
Das wohl Unangenehmste war die Enttäuschung der Musiker. Musiker, die oftmals vollkommen euphorisch und begeistert von der Bühne taumelnden, nur um am Ende des Abends, nach der Bekanntgabe des Votingergebnisses, enttäuscht nach Hause zu schlurfen. Enttäuschte Gesichter, geknickte Egos. Bei einem einzigen Vorentscheid waren das Unnangenehmste wohl zwei Bands, die sich krampfhaft in den Wettbewerbsgedanken verbissen hatten und mit ihrer Einstellung die gute Laune im Backstage verdarben. Das war aber glücklicherweise die Ausnahme, in vier von fünf Fällen war die Stimmung im Backstage top! All diesen unangenehmen Wettbewerbsnebeneffekten zum Trotz bekam ich unmittelbar nach der Siegerehrung beim Finale das wohl schönste Feedback von einem Musiker, das ich mir für das Newcomer Festival wünschen könnte: „Das Beste ist eigentlich, dass es sich gar nicht angefühlt hat wie ein Wettbewerb, sondern einfach wie ein normales Festival.“ (Brotmüller) Ich persönlich bin kein großer Fan vom Wettbewerbsgedanken im Musikbereich, aber unser Newcomer Festval ist und bleibt eine gute Chance um lokale Newcomerbands und Kulturschaffende aus dem Musikbereich  zusammenzubringen und den Bands zusätzlich eine Plattform zu bieten um sich vor großem Publikum zu präsentieren.

Die Highlights
Das Wichtigste Bedürfnis das sich nach dem diesjährigen Newcomer Festival allerdings aufdrängt, ist euch einige Highlight-Auftritte von potenziellen neuen Lieblingsbands näher zu bringen, ausgewählt nach persönlichem Geschmack unabhängig von Platzierungen:

Illustrators
illustrators (c) Lorena Seipp
Die Illustrators waren soundtechnisch wohl die innovativste Band des diesjährigen Newcomer Festivals, wenn auch ihre Mixtur aus Indie und Elektro noch nicht ganz ausgereift wirkte, ist dies dennoch eine Band die in Zukunft vielleicht weit über die Grenzen Frankens hinaus durchstarten könnte.

Angiz
ANGIZ (c) Julian Hofmann
Vom emotionalen Wachrüttel-Versuch „Schwarz-Weiss“, der sich mit dem Phänomen des engstirnigen Schwarz-Weiss-Denkers auseinandersetzt bis hin zum tanzbar-anprangerndem Knaller „Vitamin B“, der sich musikalisch in den  Fußstapfen von Kraftklub bewegt, ist bei Angiz viel geboten. Energetischer Indierap, der live nach vorne geht und niemanden stillstehen lässt.

Brotmüller
brot
Feinste Wortakrobatik mit souveränen Arrangements. Mit viel Wortwitz zogen Brotmüller das Publikum sowohl beim Vorentscheid im Dezibel, als auch im E-Werk auf ihre Seite. Ganz klar ein verdienter zweiter Platz! Das Beste: Man darf sich auf die drei Musiker aus Bamberg beim Weinturm Open Air 2016 freuen!

Crashing Crew
Als Erlanger kommt man an dem fünfköpfigen Livemonster kaum vorbei. Mit ausgefeilten Liveshows mit jeder Menge Action und einem ordentlichen Sinn für Humor sorgen die Crash-Metaler immer wieder für gelungene Abende und auch wenn es nicht für die Reise nach Russland gereicht hat – die Sieger der Herzen in Bezug auf die beste Werbung und das meiste Engagement im Social Media Bereich sind sie mit Sicherheit! #DaraufEineRundeKonfetti

The Variety Show
the variety show (c) Julian Hofmann
Stellt euch mal folgende Situation vor: Zwei eher unauffällige Typen betreten die Bühne. Einer am Schlagzeug, einer an Gesang & Gitarre. Genre: Bluesrock. Das Duo fängt an zu spielen und die einst skeptischen Zuschauer stehen erstaunt und etwas ungläubig da. Da gesteht sich auch der härteste Metaler ein: „Boah, ich kann mit Bluesrock eigentlich nix anfangen, aber das was die da abliefern ist einfach geil!“ Somit kommt das Publikum in Bewegung, der erste Stagediver entert die Bühne und der Saal gerät in Ekstase. Hier haben wir zwei Musiker, die als Duo einfach unschlagbar sind und sich in genau dieser Zweier-Konstellation gerne in die Reihen von Two Gallants und Royal Blood gesellen dürfen.

Nyquist
nyquist (c) Lorena Seipp
Ganz still wurde es im Dezibel nachdem Moderator Manu um Ruhe für den kommenden Act gebeten hatte, denn bei Nyquist handelt es sich um ein Singer-Songwriter Duo, das mit zerbrechlich-sensiblen Popsongs für Kontrastprogramm beim doch tendenziell lauten Newcomer Festival Lineup sorgte. Dank immer wiederkehrenden langgezogenen „Sch“-Rufen aus dem Publikum wurden auch die letzten Quaselstrippen um Contenance gebeten. Trotz widerspenstigen Gitarrensaiten und offensichtlicher Nervosität sorgten Nyquist für einen schönen Auftritt beim dritten Vorentscheid des NCFs.

He Told Me To
He Told Me To (c) Lorena Seipp
Catchy Melodien, gut mitsingbare Texte. Auch wenn die Musik von He Told Me To oftmals etwas zu glatt gebügelt daherkommt und ihr irgendwie die Ecken und Kanten fehlen, muss man Sandro Weich eines lassen: Er kann Ohrwürmer schreiben. Eine Disziplin, die nicht jeder beherrscht. Somit darf er sein Genre zurecht als „Ohrwurmpop“ beschreiben.

Eden’s Decay
edens decay (c) Lorena Seipp
Eben noch chillen die vier netten Jungs aus Gunzenhausen seelenruhig im Backstage, in der nächsten Sekunde stehen sie auf der Bühne und wirken dabei als kämen sie nicht von dieser Welt. Vollkommen in ihre brachiale Musik versunken, schreien und spielen sie sich alles von der Seele – ob Metalfan oder nicht was die Vier darbieten ist definitiv sehenswert und ein wenig angsteinflösend.

No Surrender
No Surrender (c) Lorena SeippMit ganz viel Herz für die Sache und politischem Engagement stellen sich No Surrender mit ihrer Mischung aus Rapcore und Hardcore gegen den Rest der Welt. Mit stellenweise zwei Shoutern/MCs (call it what you want! ) sorgen sie für abwechslungsreiche Liveshows.

Between Us
Between Us (c) Lorena Seipp
Wohl eine der jüngsten Bands im Newcomer Festival Bunde. Wenn auch etwas unbeholfen in Bezug auf Ansagen sorgten sie für eine sehr energetische Opener-Show im New Force. Ein/e Besucher/in schrieb auf ihren Stimmzettel „Oh, die sind sooo jung! <3“. Richtig. Alles was jetzt noch nicht ist, kann ja noch werden – also bleibt am Ball!

Get better
Am Ball bleiben ist wohl die Maxime, die man allen Newcomerbands mit auf den Weg geben kann, nur weil irgendeine Jury oder irgendein Veranstalter mal nichts mit euch anfangen kann, sollte nicht gleich die Flinte ins Korn geworfen werden. Um es mit den Worten einer meiner Lieblingsmusiker auszudrücken „I’m trying to get better, because I haven’t been my best.“ (Frank Turner)

Geht weiter auf Konzerte
Und ihr, liebes Publikum, geht bitte weiterhin auf Konzerte und supportet die lokale Musikszene! Hier mal ein kleine Entscheidungshilfe für den nächsten Konzertbesuch in Form einer überraschenden Feststellung eines Jurymitglieds: „Alle Acts waren live um Längen besser als auf ihren vorab geschickten Aufnahmen!, qualitaiv minderwertige Soundcloudhörproben sollten euch also nicht vom Konzertbesuch abhalten. Sonst wird aus #InErlangenGehtNix schnell ein #InErlangenGehtNiemandHin und wo niemand hingeht, geht ganz schnell nix mehr.

Das Fazit – Zusammengefasst
Nachdem ich mir auf lokaler Ebene schon echt viele beschissene (Ohrenkrebs erregende) Bands anhören durfte, kann ich zum diesjährigen NCF-Lineup mit reinem Gewissen schreiben, dass die musikalische Leistung wirklich gut war. Und auch die Besucherzahlen waren für Erlanger Verhältnisse zufriedenstellend.

Bis hoffentlich nächstes Jahr,
Lorena Seipp (NCF-Veranstalterin/Azubi Veranstaltungskauffrau)

Fotos: Beitragsbild/Angiz/The Variety Show – Julian Hofmann
Restliche Fotos: Lorena Seipp

 

 

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