Interview: Chris Padera

Als ich an Chris Paderas Wohnung ankomme, öffnet er mir mit einem freundlichen Grinsen die Tür und lädt mich in sein gemütliches Wohnzimmer ein. Neben einigen Instrumenten und einer kleinen Ansammlung diverser Spirituosen befindet sich hier auch ein großes Regal mit Schallplatten. Mit einem Dosenbierchen in der Hand machen wir uns es bald vor eben diesem Regal bequem. Was gibt es schöneres, als sich an einem kalten Novembersonntag mit einem Dosenbierchen in der Hand über Lieblingsplatten und die damit verknüpften Erinnerungen zu unterhalten? Also starten wir das Interview mit einem Gespräch über Chris‘ Lieblingsplatten.

 

Sich in einer alphatethisch sortierten Plattensammlung zurecht zu finden, fällt leicht von der Hand und so zieht Chris nach einem kurzen Blick ins Regal die erste Platte heraus, die er sich je gekauft hat.

Chris: Hier, das ist eine Black Sabbath Platte, die habe ich mir mit 13 Jahren in Aschaffenburg im Plattenladen Bananaboot gekauft. Das war ein sehr schöner Laden mit Secondhand- und Vintagesachen. Die Platte habe ich mir vorallem wegen Paranoid gekauft. Das war auf jeden Fall meine erste Platte.

Sammelst du ausschließlich Vinyplatten oder auch CDs?

Ich habe eigentlich immer parallel Schallplatten und CDs gekauft. Bei CDs ist es eben praktisch, dass man  sie mitnehmen und unterwegs beim Autofahren oder während dem Skaten über den Ghettoblaster hören kann.

Was ist die soundtechnisch lieber?

Ich bin nicht gerade ein Soundfetischist. Für mich geht es eher um das Gefühl, wie Musik anzuhören ist. Schallplatten bedeuten für mich eben daheim, bewusst Musik zuhören. Ich nutze auch keine Streamingdienste, da es durch sowas schnell zu Hintergrundmusik wird. Dagegen höre ich aber wiederum gerne Radio so nebenbei.

Wie hat es bei dir denn mit dem Sammeln von Platten angefangen?

Angefangen hat es mit dem Schallplattensammeln, weil ich so mit 13 Hip Hop auflegen wollte. In der Phase habe ich mir gedacht: Entweder schaffe ich mir eine E-Gitarre oder Schallplatten an.  Und habe mich dann für Schallplatten entschieden, deswegen habe ich auch Hip Hop Klassiker. Hier zum Beispiel die Hand aufs Herz von Eins zwo, irgendwo müsste auch eine Fünf Sterne Deluxe Platte sein… Aber letzendlich habe ich nie Hip Hop aufgelegt und mich dann doch für den Rock’n’Roll entschieden.

Chris Padera - Eins, Zwo
„Angefangen hat es mit dem Schallplattensammeln, weil ich so mit 13 Hip Hop auflegen wollte.“ (Chris Padera)

Als Einflüsse auf deine Musik nennst du  Rock’n’Roll, Indie und Punk. Vielleicht finden wir ja eine Lieblingsplatte zu jedem Genre?

Die meisten Schallplatten habe ich von den Rolling Stones. Da finde ich eines der 80er Alben sehr gut: Tattoo You. Eine andere Platte, die mich sehr begleitet ist von einer eher neueren Band: Das zweite Album von Graveyard Hisingen Blues, die habe ich 2009 in Würzburg live gesehen. Die machen so 70er Jahre-Retrosound mit Blueseinfluss, aber eher modern. Die sind sehr stylisch unterwegs und das geht richtig gut rein.

Wenn du eine Lieblingsplatte aus dem Punkbereich raussuchen müsstest, welche wäre dies?

Ich habe einige Platten von Bands,  mit denen ich mit meiner Poppunkband Jr. High zusammengespielt habe, da ist die von den Masked Intruders sehr geil. Die Songs gehen gegen Cops und für die Liebe. In dem Song „A heartshaped guitar“ geht es um einen Stalker, der immer für ein Mädel Lovesongs singt und sie regt sich darüber auf und ruft die Cops. Also die sind sehr lustig, die Jungs.

Eine Spur Humor ist dir bei deinen Songs auch wichtig, oder?

Eine Spur Humor ist meistens dabei. Im Prinzip erzähle ich meine Geschichte, ich greife manchmal natürlich auch andere Themen auf. Ich habe viel erlebt, Ups and Downs. Ich versuche aber alles immer mit einem Augenzwinkern zu sehen, so lebt es sich leichter.

Du hast auch eine Zeit lang in Barcelona gelebt. Gibt es eine Platte, die dich an diese Zeit erinnert?

Ja, da gibt es eine Platte von Loquillo, (einem spanischen Sänger) namens morir en la primavera, also „Sterben im Frühling“.  Der ist vom Stil her so ein 80er Jahre Prolet. Ihn jetzt als spanischen Bruce Springsteen zu bezeichnen ist vielleicht falsch, aber er ist halt so ein Working Class Hero mit Rockabillyeinfluss. Die Platte habe ich im Plattenladen Revolver in Barcelona gekauft. Ich habe in Barcelona viele Freunde aus Valencia kennengelernt, die große Loquillo-Fans waren und die Platte erinnert mich schon an sie.

Chris Wohnung
„Ich habe viel erlebt, Ups and Downs. Ich versuche aber alles immer mit einem Augenzwinkern zu sehen, so lebt es sich leichter.“ (Chris Padera)

Du hast auch einen Song namens Barcelona. In einer fremden Stadt wie Barcelona kann man sicher viele neu gesammelte Eindrücke in Songs verpacken. Wie sammelst du dagegen hier im vertrauten Nürnberg Ideen für Songs?

Den Song Barcelona habe ich in der Tat hier in Nürnberg geschrieben. Das ist eher eine Hommage an Barcelona, die mir beim Fahrrad fahren in Nürnberg eingefallen ist. Ich habe in Barcelona in der Nähe des Rotlichtviertels gewohnt. Von den aufdringlichen Bordsteinschwalben wurde mir auf meinem Heimweg sogar dreimal der Geldbeutel geklaut, darauf geht die Songzeile „Beware of the dark when the hookers rob“ des Songs Barcelona ein.

Wie lange warst du wieder zurück in Deutschland, als du den Songs geschrieben hast?

Ich war ca. 3 Monate wieder zurück, als mir der Song eingefallen ist. Letztes Jahr war ich dann wieder in Barcelona um das Musikvideo zu drehen. Da habe ich dann ein paar spanische Freunde dazu genötigt den Song in die Kamera zu singen. Das war schon eine Überwindung sich mitten in die Stadt zu stellen und Playback mitzusingen.

In dem Video sieht man dich auch vor einer Leinwand performen. Wo wurden diese Szenen gedreht?

Die Szenen wurden in meiner Heimat Aschaffenburg im Jukuz (Jugendkultuzentrum) gedreht. Es war für mich sehr wichtig dort zu drehen, da dort meine musikalischen Wurzeln liegen.

Zurück zum Songwriting. Wie ist diesbezüglich deine Vorgehensweise?

Ich nehme mir öfters vor aktiv daran zu arbeiten, aber es funktioniert nicht. Das muss mir einfach in den Kopf fliegen.  Ich habe in Bezug auf Gitarrenriffs viele Ideen. Aber es hilft auch nicht, wenn ich mich dazu zwingen muss einen kompletten Text dazu zuschreiben. Die Ideen zu Songs kommen in unterschiedlichen Gefühlslagen. Bei Barcelona war es zum Beispiel so, dass mir der Refrain und die Melodie in den Kopf geflogen sind und dann bin ich schnell heimgeradelt, habe das aufgeschrieben und dann bin ich direkt ins Homies & Spasten Headquarter gestürmt um den fertigzustellen. Der war innerhalb von einer halben Stunde fertig.

Ihr habt im H&S-Headquarter auch ein kleines Studio. Nutzt du dieses auch um Demos aufzunehmen? Bist du auch fit in Sachen Homerecording?

Im Studio sind eher die H&S-Elektroboys aktiv, da habe ich auch schon mit anderen zusammen Demos aufgenommen, aber ansonsten nehme ich Ideen auch einfach mit dem Handy auf, damit die Ideen nicht verloren geht. Aber ich möchte mir nun auch einen kleinen Recorder kaufen.

Chris Padera
„Ich hatte nie so das Interesse selbst aufzunehmen. Das ganze Homerecording Ding ist für mich eher zum praktischen Zweck um zum Beispiel Akustiksessions aufzuzeichnen.“ (Chris Padera)


Ist es dir wichtig für EP/Album-Aufnahmen ins Studio zu gehen und einen Ansprechpartner und Produzenten zu haben?

Ja, das ist mir sehr wichtig. A, weil ich keinen Plan vom Aufnehmen habe und B, weil ich mich auch nicht mit dem Aufnehmen beschäftigen möchte. Ich hatte nie so das Interesse selbst aufzunehmen. Das ganze Homerecording Ding ist für mich eher zum praktischen Zweck um zum Beispiel Akustiksessions aufzuzeichnen. Meine EP habe ich in meiner Lieblingsbar „Hannebambel“ in Aschaffenburg, deswegen ist der Co-Titel der EP auch „Bambelsessions“. Ein guter Freund, Maurice Young, hat diese  aufgenommen, er kennt sich eben auch in Sachen Mikrofonierung und allem aus.

Wie viel Einfluss hatte Maurice auf die EP und wie offen bist du gegenüber Kritik und Verbesserungsvorschlägen?

Eigentlich gab es nur Gemecker, weil ich mich nie an den Klick gehalten habe. Aber ich wollte unbedingt mit Klick aufnehmen, weil mich das als Musiker weiterbringt. Ansonsten bin ich konstruktiver Kritik gegenüber sehr offen. Soundmäßig hat Maurice mir eben einen Sound hingebastelt und ich habe das eben abgenickt oder noch anderen Input gegeben. Philipp Welsing von Original Mastering hat das Ganze dann gemastert.

Jetzt haben wir viel übers Songwriting und Aufnehmen geredet. Wo steckt denn bei dir mehr Herzblut drin: An Songs zu arbeiten oder diese live zu spielen?

Also die Arbeit im Studio hasse ich. Aufnehmen mag ich einfach nicht, Songs schreiben und proben dagegen schon. Live ist einfach mein Ding, das liebe ich einfach aus ganzem Herzen. Das ist mein Antriebsfaktor um Musik zu machen. Es ist eigentlich Wurst, ob da jetzt drei Zuhörer sind oder tausend. Es ist eigentlich immer ein schönes, befriedigendes Gefühl.  Damals als sich meine Indieband „The Fountaines“ aufgelöste haben, habe ich ein paar Gigs alleine gespielt und dann aber schnell selbst gemerkt, dass mir eine Band fehlt. Ich habe es dann auch so zwei Jahre lang gelassen und bin auch nicht oft zu Konzerten gegangen. Das hat eigentlich erst in Barcelona wieder richtig angefangen, da ich so viel wie möglich in meiner beschränkten Zeit dort mitnehmen wollte. Ich bin da auch gerne alleine zu Konzerten gegangen, da mache ich eigentlich generell lieber.

Ja, das kenne ich. Alleine kann man der Musik bei Konzerten viel besser Beachtung schenken.

Genau! Alleine ist das Ganze viel intensiver.

Hast du in Barcelona auch solo gespielt?

Ja, da gab es auch einen sehr amüsanten Spontangig.

Ist auch eingeplant irgendwann wieder mit Band aufzutreten?

Absolut. Letztes Jahr habe ich ja viel mit ein paar Kumpels von den Homies & Spasten in der Pop-Punkband Jr. High gespielt, u.a. zusammen mit Reverend Reefer, der spielt überall mit, der ist sowas wie der Dave Grohl oder Josh Homme Nürnbergs… Die Zeit mit Jr. High hat sehr viel Spaß gemacht. Es ist aber auch geplant irgendwann als Chris Padera & Band aufzutreten.

Gibt es da schon konkrete Pläne?

Das läuft jetzt  mit Leuten der Aschaffenburger Band The August an. Mit den Jungs habe ich überlegt das zu machen. Also Schlagzeug, Bass, Gitarre und vielleicht noch eine Leadgitarre. Fürs Album möchte ich das Ganze mit Band und vielleicht sogar mit Bläsern aufnehmen.

Gibt es schon geplante Livedates mit Band?

Das Booking bis Januar ist jetzt erstmal solo. Ich möchte eigentlich erst mit Band auftreten, wenn das Ganze ausgereift ist und Material vorliegt. Das wird dann erst so im Sommer/Herbst 2016 etwas.

Zum Abschluss: Was kann denn jemand, der dich noch nie live gesehen hat von deinen Konzerten erwarten?

Man kann ein paar schlechte Witze erwarten, also es ist eine ehrliche Show zu erwarten. Ich erzähle auch gerne mal einen Schwenk aus meinem Leben. Es können aber auch eskalative Dinge passieren, letztens in Jena wurden Bierduschen verteilt und gestagedived – bei einer Akustikshow! lacht Dagegen habe ich aber auch schon vor gesittetdem Publikum bei einem Science Slam gespielt. Ich will einfach, dass die Leute eine gute Zeit bei meine Shows haben. In der Regel ist es auch immer feucht-fröhlich.

Zum Abschluss des Interviews haben wir die Songs „Barcelona“ und „Whiskey Bar“ als Akustiksession aufgenommen. Viel Spaß damit!


Chris Padera live in Erlangen:
08.12. – Wort & Klang (www.facebook.com/events/982519621831340/)

Online:
www.facebook.com/chrispadera
www.chrispadera.com

 

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