Illegale Farben & L Ξ I D Ξ N

Wie sieht es aus in deinem Leben?

Eine Frage die mir die Band Illegale Farben aus Köln stellte, als ich sie zufällig auf Spotify entdeckte. Der Song wieder raus befand sich in einer von Spotify generierten Playlist mit dem hitverdächtigen Titel „Für immer Punkrock„. Dort befinden sich Illegale Farben in bester Gesellschaft von Turbostaat, Heisskalt, FJØRT und Adam Angst. Beim ersten Hören, ohne zu wissen wer diese gut produzierten Indie-Punkband mit NDW-Anleihen war, stellte ich mir junge Musiker ungefähr im Alter der Bandmitglieder von Trümmer oder den Nerven vor. Umso erstaunter war ich, als ich die Facebookseite der Illegalen Farben auscheckte. Da hatte ich mich offenbar verschätzt. In 2014 gergründet sind sie zwar eine relativ neue Band, aber über den Begriff jung lässt sich wohl streiten. Mein Interesse war trotzdem entfacht und somit freute ich mich zu lesen, dass die Band am 20.05.2016 im club stereo in Nürnberg spielen würde.

Als lokaler Support sollten L Ξ I D Ξ N spielen. Eine Information, die ich an der Theke des Babylon Fürth erfahren sollte. Cheers! Nachdem ich leider der Namensmetamorphose von A.R. Wallace zu L Ξ I D Ξ N beim Spirit Of Youth Festival arbeitsbedingt kaum beiwohnen konnte, hatte ich nun endlich die Chance mir die Band in neuer Konstellation ganz entspannt anzuschauen. Vor der Bühne war neben den üblichen Verdächtigen, eine kleine nette Menge versammelt. Der kleine Konzertraum war ausnahmsweise mal nicht zum Bersten gefüllt. Angenehm. Die typisch abwechslungsreiche Lichtshow (die sich auf einem einzigen Foto einfangen lässt) sorgte für eine sehr runtergebrochene Jugendhausstimmung in der L Ξ I D Ξ N ihren Depri-Punk zelebrierten. Polternd, schreiend, verworren und gerade heraus. Nicht richtig greifbar. Soundtechnisch waren leider nur wenige Textpassagen zu verstehen, diese brannten sich aber umso tiefer ein und mündeten nach einem intimen, intensiven und dennoch unnahbaren Set in einen Abgesang auf den Hauptact: Illegale Farben.

 

Zu Beginn des Auftritts der Illegalen Farben begrüßte uns ein alter Bekannter: Der Angstkreis, dieses feige halbkreisförmige Konzertphänomen. Doch dann schoss plötzlich  ein Tänzer raus aus dem Moment und zerstörte diesen Angstkreis, tanzte ihn kurz und klein. Respekt für so viel Durchhaltevermögen, denn dieser Kerl hörte nicht mehr auf zu tanzen und brachte das zum Ausdruck, was ich als nicht besonders tanzfreudiger Mensch fühlte. Da stand eine Band auf der Bühne, deren Musiker sich zu diesem Projekt aufgerafft hatten, weil sie scheinbar einfach Bock darauf haben. Und dieses „Bock drauf haben“ steckte das Publikum an. Eine Freundin von mir sagte einmal zu mir, dass es nicht darauf ankommt wie viele Leute vor der Bühne stehen, sondern wie viel Bock die Anwesenden auf das Konzert haben. Recht hat sie.

Gebadet in neonblaues Licht zelebrierten die Musiker ihren treibenden Sound. Sänger Thom sang sich Träume, Hoffnungen, Ziele und die damit verbundene Resegnation von der Seele und tanzte dabei exzessiv auf und vor der Bühne. Sang einem die Texte direkt ins Gesicht, drehte sich im Tanze um die Zuschauer und wirkte dennoch nicht verzweifelt nach Aufmerksamkeit heischend. Er wirkte viel mehr so als wäre er zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Nürnberg, nicht Augsburg!). Die Band war hier um ihre Musik mit der kleinen Zuschauermenge zu teilen und diese in die Gehörgänge einzuhämmern. Musik, die es eigentlich verdient hat von wesentlich mehr Ohren gehört und vorallem live erlebt zu werden.

Das selbstbetitelte Debütalbum rotiert nun jedenfalls auf meinem Plattenspieler. Gute Investition. Verdammt gute Band.

Nach dem Konzert ging es für mich noch mit den extrem Umweltfreundlichen Tourbussen von Leiden in Richtung P31 und Proberaum, bevor mich der letzte Zug zurück in den Bergkirchweihbedingten Dirndlkrieg nach Erlangen bringen sollte.

Text: Lorena Seipp
Beitragsbild: http://www.illegalefarbenmusik.de
Für Konzertfotos von diesem Abend könnt ihr bei DeBing Photography vorbeischauen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s