Interview: #zweiraumsilke

#zweiraumsilke. Das ist der neue heiße Scheiß straight outta Erlangen-West. Das sind 12 MusikerInnen auf einer Bühne, die sich binnen kurzer Zeit einen Namen als exzessive Live-Band gemacht haben. Am 23.06.2016 trafen wir uns mit 1/3 der Band um über ihre Musik, Silkes Zukunftspläne und Erlangens Musikszene zu reden. In entspannter Runde vor dem Gummi Wörner sitzend standen uns Chris (Gitarre, Gesang), Emma (Gesang, Rap), Sascha (Piano) und Felix (Drums) Rede und Antwort.

Es ist kein Zufall, dass wir ausgerechnet vor dem Gummi Wörner sitzen, hier hat auch euer erster Auftritt mit #zweiraumsilke stattgefunden. Man munkelt, dass der Auftritt schon stand, bevor ihr das erste Mal geprobt habt. Wie kam es damals dazu?

Felix: Nanni, eine Barkeeperin des Gummi Wörners, studiert mit mir und wusste, dass ich in einer Band spiele. Sie meinte dann, dass sie für die Konzertreihe KunstStoff gerade nach Bands suchen. Zu dem Zeitpunkt hatte sich meine Band allerdings schon aufgelöst, da einige Bandmitglieder weggezogen sind. #zweiraumsilke hat sich dann zufällig übers Internet zusammengefunden und es ging direkt mit der Ansage: „In drei Wochen haben wir einen Auftritt! Habt ihr Bock, Leute?“ los.

Emma: In drei Wochen war zwar die Ansage, aber bei der ersten Proben waren nur acht Leute da.

Chris: Da warst du ja nicht mal dabei!

Emma: Stimmt, da war ich noch nicht dabei. Allerdings war Robin, mein Mitbewohner und unser Bassist, dabei.

War es von Anfang an klar, dass ihr mit so vielen Musikern in einer Band spielen wollt und es musikalisch in Richtung Funk, Hip Hop und Jazz gehen soll?

Chris: Für mich war das erstmal gar nicht klar. Eigentlich hatte ich eher ein Singer-Songwriter-Projekt gesucht. Ich hätte auch nie erwartet, dass wir irgendwann einen Rapper als Frontmann haben. Aber dann kam Emma dazu.

Emma: Und der kann nur Hip Hop! lacht

Chris: Ja, Robin (Bass) meinte halt, er bringt mal seinen Mitbewohner mit und der rappt.

Felix: Das hat er auch genauso gesagt: „Mein Mitbewohner rappt halt“. Da dachte ich erst: „Ja gut, ich rappe auch unter der Dusche.“, ob das dann gut ist, ist die andere Frage. Dann kam aber Emma und das war letztendlich ziemlich geil und hat gepasst!

Chris: Es gab eigentlich nie eine richtige Diskussion in welche musikalische Richtung es gehen soll. Wir wussten, dass wir den Auftritt spielen müssen und hatten durch den Druck schnell einen Stil gefunden ohne uns groß Gedanken darüber gemacht zu haben.

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Von links nach rechts: Emma, Felix, Sascha, Chris

Im funklust-Interview hat Emma: gemeint, dass #zweiraumsilke möglichst ohne Message bleiben soll. Wie langwierig ist es denn, sich da auf einen Text zu einigen?

Emma: Na ja, so ganz richtig ist das nicht. Ich mache mir schon viele Gedanken über die Texte und habe schon immer eine Idee und somit auch eine gewisse Message im Kopf, wenn ich etwas schreiben will. Es ist halt immer Interpretationssache. Zum Beispiel einer unserer ersten Songs Silkes Ex handelt von dem Thema Scheidung. Ein Thema, das noch nicht besonders oft besprochen wurde. An sich läuft es eigentlich textlich immer so, dass ich ein Thema vorschlage und dann gibt es halt entweder ein Ja oder ein Nein von den Anderen.

Felix: Grundsätzlich kann man auch sagen, dass wir beschlossen haben in jedem Interview etwas anderes zu dem Thema zu erzählen…

Chris: Dass wir keine politischen Texte haben ist dagegen schon eine klare Entscheidung.

Heißt das, ihr wollt eher die Band sein, die den Leuten durch ihre Musik eine Auszeit vom aktuellen politischen Chaos bescheren möchte? Würdet ihr euch das so auf die Fahne schreiben?

Felix: Ich glaube nicht, dass wir uns das auf die Fahne schreiben lassen wollen. Gerade dadurch, dass wir so eine große, bunte Truppe sind wollen wir uns eigentlich gar nichts auf die Fahne schreiben. Wir haben sicher Texte in denen es nicht nur um Geblödel, Spaß und Party geht, aber die Texte beinhalten jetzt auch nicht „die große Erkenntnis“, die nur wir haben und die wir allen mitteilen müssen.
Emma: Ich habe auf der Bühne ja eine gewisse Macht. Wenn ich den Leuten sage: „springt!“, dann springen die. Diese Position auszunutzen um den Leuten irgendwelche politische Ansagen um die Ohren zu klatschen mit denen ich mich selbst nicht richtig auskenne, finde ich ein bisschen scheiße. In meinen Texten geht es eher um persönliche Erfahrungen.

Chris: Themen, mit denen man sich auskennt.

Emma: Außerdem entstehen die meisten Texte eigentlich aus einem Freestyle heraus, ich setze mich bei den meisten Texten nicht hin und schiebe irgendwelche Satzkonstrukte hin und her. Das entsteht in der Regel bei den Proben.

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Wir könnten Blasmusikfans sicher auch von uns überzeugen, da wir sehr fähige Bläser haben! (Felix)

Kann man sich eure Proben dementsprechend als einen einzigen großen Jam vorstellen?

Alle: Genau. Sehr oft.

Ist es sehr schwierig zusammen mit 12 Leuten Probetermine zu finden? Wo probt ihr eigentlich?

Chris: Wir proben in einem sehr kleinen ca. 17qm großen Raum. Die Probenmoral ist aber erstaunlich gut und wenn halt mal einer nicht da ist, proben wir eben trotzdem.

Sascha: Bei 12 Leuten muss man sich schon eine Agenda machen: Wer hat welche Hausaufgaben, was muss wie geprobt werden. Das ist schon wichtig.

Chris: Heute Abend proben wir allesamt, das ist bei den Temperaturen (30 Grad Anm. d. Red) dann spannend.

Felix: Heute knacken wir vermutlich die 50 Grad Celsius!

Sascha: Pffff…

Emma: Ja, auch wenn jemand raus aus dem Raum will, ist das immer schwierig. Das ist wie Tetris spielen… Falls das jemand liest, der einen großen Raum hat: Wir kommen gerne vorbei und spielen! Wir bringen auch einen Kasten Bier mit! 😉

Wie formt ihr aus den Jams dann eure Songs?

Emma: Also die Jams beginnen meist damit, dass ein paar Leute eine Idee haben und dann einfach loslegen. Was ich dann immer wieder feststellen muss ist, dass wir erstaunlich gute Instrumentalisten in der Band haben, die dann sofort ein Gefühl dafür haben, wie sie darauf einsteigen können. Dadurch entstehen dann Grooves, die wir meist sofort aufzeichnen, um daheim nochmal daran zu arbeiten.

Felix: Es sind aber gerade in letzter Zeit auch einige Songs entstanden, die komplett ausnotiert sind.

Im Text zu „Eure Scheinheiligkeit“ wird konkret eure Herkunft aus Erlangen-West besungen. „Wir sind z-r zu dem s, der neue heiße Scheiß straight outta Erlangen-West“, heißt es da. Fühlt ihr euch in Erlangens Musikszene gut aufgehoben?

Emma: Allein die Tatsache, dass wir uns hier gefunden haben finde ich verdammt cool. Außerdem konnten wir als Band, die es noch nicht lange gibt, schon so unfassbar viele Gigs in Erlangen spielen. Das zeigt schon eine gewisse Bereitschaft von der Stadt. Die Leute scheinen Bock auf Neues zu haben und sind bereit junge Bands zu unterstützen. Hier geht schon was!

Chris: Wir sind aber auch froh bald einmal außerhalb Erlangens zu spielen!

Emma: Ja, im Juli steht zum ersten Mal Nürnberg auf dem Plan.

#zweiraumsilke_egers
#zweiraumsilke live bei Egers Calling im E-Werk Erlangen am 22.03.2016

Ihr habt einen sehr guten Slot beim Bardentreffen auf dem Lorenzer Platz bekommen, oder?

Felix: Genau, wir haben den letzten Slot am Samstag bekommen! Warum auch immer… lacht

Wie habt ihr reagiert, als die Bestätigung reinkam?

Felix: Wir sind alle ziemlich ausgerastet.

Chris: Wir hätten auch nie gedacht, dass wir da den besten Platz am Samstag bekommen würden.

Emma: Das ist auch definitiv unseren Live-Aufnahmen, die Daniel Bassing von db-soundstudio bei unseren ersten Gigs gemacht hat, zu verdanken! So haben wir super Audio-Material von unseren Konzerten. Das hilft uns beim Booking sehr!

Würdet ihr generell sagen, dass es hier in der Region genug Auftrittsmöglichkeiten gibt?

Sascha: Ja, an sich gibt es hier genug Auftrittsmöglichkeiten. Wir sind aber auch bereit, über die Region hinaus zu spielen.

Seht ihr #zweiraumsilke nur als Hobby oder ist für die Zukunft eventuell mal eine Deutschlandtour oder ähnliches geplant?

Chris: Kommt auf die Nachfrage an!

Felix: Wir haben auf jeden Fall große Lust, bald mal ins Studio zu gehen und ein Album aufzunehmen.

Emma: Über unsere Zukunftspläne haben wir auch schon viel geredet. Ein Großteil kann sich ein Leben mit der Silke vorstellen. Wir sind ja noch am Anfang dieser Beziehung. Man will nichts überstürzen und auch nichts verschreien. Ein Album aufzunehmen oder auf Tour zu gehen ist halt erstmal mit einem riesigen finanziellen Aufwand verbunden, aber wenn die Leute Bock darauf haben, haben wir auch Bock noch mehr abzuliefern.

Was macht für euch denn ein gutes Livepublikum aus?

Emma: Dass sie Lust auf neue Musik und Tanzen haben!

Wie würdet ihr denn eure Liveshow beschreiben um die Leute davon zu überzeugen zu einem #zweiraumsilke-Konzert zu gehen?

Sascha: Wir sind 12 Leute auf der Bühne. 12 Leute, die massig Spaß an der Musik haben, die sie machen. Das überträgt sich, wenn die Leute es wollen, auch auf das Publikum vor der Bühne.

Chris: Außerdem haben wir einen ziemlich sexy Cellisten! Der macht optisch einiges her.

Felix: Genau, eigentlich sollten wir nur mit dem Cellisten werben…

Emma: Na ja, an sich bieten wir etwas für Leute, die Hip Hop und Funk mögen.

Felix: Wir könnten Blasmusikfans sicher auch von uns überzeugen, da wir sehr fähige Bläser haben!

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Wir haben eine Marketing-Agentur damit beauftragt einen individuellen Claim zu entwickeln, der uns als Band optimal beschreibt. „Esst mehr Obst“ war das Ergebnis. (Chris)

Vom Wohnzimmerkonzert bis zur Saalbühne des E-Werks habt ihr schon alles bespielt. Gibt es auch Locations in denen ihr nicht spielen würdet?

Emma: Wir haben auch schon auf einer WG-Party gespielt! Das war ganz gut… Alle lachen

Chris: Es ist als Musiker natürlich schon komfortabel, wenn man einen Monitorsound hat und die Instrumente abgenommen werden. Aber wir spielen auch alles andere und nehmen alles an. Wir haben zu viel Bock auf die Musik und die Auftritte mit der Band, als dass wir irgendwas abschlagen würden.

Emma: Wir haben da jetzt auch nicht die Attitüde, dass wir unter 200 Besuchern nicht auf die Bühne gehen. Ich hab auf den Gig im Strohalm am 27.07. genauso viel Bock wie auf das Bardentreffen.

Wie ist denn die Arbeitsteilung in der Band? Wer macht das Booking? Wer kümmert sich um Facebook?

Chris: Also bisher mussten wir kaum Booking betreiben, da von alleine eine Anfrage nach der anderen rein kam. Das Bardentreffen war eigentlich der erste Auftritt, um den wir uns selbst beworben haben

Felix: Also Facebook machen eigentlich wir vier.

Emma: Die meisten Sachen werden im Plenum diskutiert. Das kann manchmal anstrengend sein und zögert auch Entscheidungen raus.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen? #schlimmsteInterviewfrageever!

Felix: Puh, also es ist ja schon ganz schön spät. Das war’s dann wohl schon. Wir müssen bald zur Probe.

Emma: Es war schön mit euch…

Noch irgendwelche abschießenden Worte?

Felix: Esst mehr Obst!

Das ist nun euer neuer Slogan?

Chris: Genau, wir haben eine Marketing-Agentur damit beauftragt einen individuellen Claim zu entwickeln, der uns als Band optimal beschreibt. „Esst mehr Obst!“ war das Ergebnis.

Danke für das Interview!

 

 

#zweiraumsilke live:

02.07.16, Zollhausfest in Erlangen
FB-Event: www.facebook.com/events/497513627110593/

27.07.16, Strohalm in Erlangen
FB-Event: www.facebook.com/events/1005432349505326/

30.07.16, Bardentreffen Nürnberg
FB-Event: www.facebook.com/events/525798254286594/

19.11.16, E-Werk Erlangen mit Bülbül Manush & Red Man Hole

 

Silke auf Facebook: www.facebook.com/zweiraumsilke

Interview: Alba Wilczek & Lorena Seipp
Fotos: Lorena Seipp

 

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