The Variety Show in Russland – Tourtagebuch (Teil 3)

Im dritten Teil des Tourtagebuchs erfahrt ihr weshalb Milan von einem Biker entführt wurde und sich The Variety Show wie Megastars in Murom fühlen durften.

Sonntag, der 18.09.2016
Am letzten Tag unseres Aufenthalts wurden wir von Stanislav und Igor bereits um 9:15 Uhr im Hotel abgeholt um in die ca. 2 Autostunden entfernte Stadt Murom zufahren. Dort sollten The Variety Show am Abend mit sechs lokalen Bands aus Wladimir und Murom  eine Clubshow spielen. Auf der relativ langen Anreise bekamen wir einen umfangreichen Eindruck des ländlichen, russischen Baustils. Die Landhäuser in Russland sind meist aus Holz gebaut und mit schönen Verzierungen im Bereich der Fenster ausgestattet. Igor lenkte uns mal wieder still schweigend über die holprigen Straßen.

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Unser Fahrer Igor.

Kurz nachdem wir die Stadtgrenze von Murom passierten, hielten wir am Straßenrand an, um unseren heutigen Gastgeber Maxim kennenzulernen. Er und sein Begleiter wollten unseren Aufenthalt in Murom komplett dokumentieren und hielten uns deshalb sofort ihre GoPro Kameras vor die Gesichter. Als besonderes Special hatte sich ein Mitglied des lokalen Motorradclubs angeboten, einen von uns bei einer Fahrt durch Murom auf seinem Motorrad mitzunehmen. Stanislav war dann der Meinung, dass Milan als Frontmann am besten für diesen Job geeignet sei. Also stieg Milan hinter den Biker und die beiden sausten durch die kalte Luft davon. Unser Busfahrer Igor folgte ihnen  und ich fühlte mich, als hätten wir ihm die filmreife Anweisung „Los, folgen sie dem Motorrad!“, gegeben.

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Milan Lukaschek und der Biker vom Motorradclub Murom.

Wir trafen Milan und den Biker, sowie unsere Gastgeber, dann wieder beim ersten Sightseeing-Ziel: Dem Dreifalitgkeitskloster. Wir wurden von einer russisch sprechenden Reiseführerin über das Gelände geführt, deren Erzählungen von Stanislav für uns übersetzt wurden. Unsere beiden Begleiter liefen begeistert mit ihren Kameras um uns herum, um jedes Detail unseres Aufenthalts für die Ewigkeit festzuhalten. Den Abschluss unserer Führung über das Areal des Klosters bildete die Besichtigung eines Glockenturms, in dem die Jungs die Möglichkeit hatten ein wenig auf den altmodischen Glockenspielen, die sich in dem kleinen Raum befanden, zu trommeln. „Egal wie schlechtgelaunt man in dieses Zimmer reingeht, am Ende kommt man mit einem Lächeln wieder heraus!“, meinte unsere Führerin dazu. Recht hatte sie.

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Milan und Paul nach unserem Besuch im Glockenturm.

Nachdem wir die Besichtigung beendet hatten, beschlossen wir einen kleinen Spaziergang entlang des Flusses Oka zu machen. Wir unterhielten uns angeregt mit Maxim und seinem Kollegen, die sich als Veranstalter des Konzertes entpuppten und uns erzählten, dass sie abends auch selbst mit ihren Bands spielen würden. Maxim war in 2012 bereits mit seiner Band „Heavy Loss“ im Rahmen unseres deutsch-russischen Bandaustauschs zu Gast beim Newcomer Festival im E-Werk gewesen. Wir unterhielten uns viel über Musik, unsere musikalischen Einflüsse und die unterschiedliche Wahrnehmung von Konzerten in unseren Ländern. Maxim hatte damals scheinbar einige amüsante Erfahrungen mit den fränkischen Fans gemacht…

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Gastgeber Maxim und The Variety Show am Fluss Oka.

Nach unserem Spaziergang und einem leckeren Abendessen (#Kartoffeleintopf³) machten wir noch Halt in einem kleinen Musikgeschäft. Dort wurden Milan, Paul und Chris zu einer kleinen Jamsession gebeten. Nachdem sich Chris und Milan für ein Instrument entschieden hatten, setzte sich Paul hinter das E-Drumset. Sobald alle Instrumente gestimmt waren und das E-Schlagzeug über die Boxen tönte, begann die Jamsession, welche unsere beiden Gastgeber begeistert filmten. Anschließend begaben wir uns in den Club Zoloto, in dem das Konzert stattfinden sollte. Der Club war in einem riesigen, sehr edel gestalteten Gebäude. Als wir das Gebäude betraten konnten wir unseren Augen kaum glauben: Wir wurden von einem gigantischen Banner mit der Aufschrift „Willkommen beim Oktoberfest“ begrüßt. Mitten in Russland. Gekonnt ignorierten wir das Banner und begaben uns in den dritten Stock des Gebäudes, in dem sich der Konzertraum befand. Der Raum verschlug mir erstmal den Atem. Die Musiker, Styletechnisch alle härteren Genres zuzuordnen, wirkten irgendwie deplaziert zwischen den schicken Ledersofas und Mamorpfeilern unter der verschnörkelten Steindecke.

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Milan beim Gitarre stimmen im Musikgeschäft.

Wir wurden von einer der lokalen Bands schüchtern begrüßt und trafen auch Andrey, den Techniker vom Vortag wieder. Es wurde fleißig aufgebaut, währendem man uns in unseren luxuriös eingerichteten Backstageraum führte. Von nun an beschäftigten wir uns mit der Tourkrankheit schlechthin: Warten. Warten bis TVS mit ihrem Soundcheck dran sind, warten bis Einlasszeit ist, warten bis der Auftritt beginnt, warten, warten, warten. Wir nutzten die Zeit um noch ein paar Getränke zu kaufen, zu schlafen, Stopmotionfilme zu drehen und ein paar Bandfotos zu machen. Da Heavy Loss-Sänger Maxim vor Kurzem Geburtstag gehabt hatte, tranken wir mit ihm wieder ein klein wenig von seinem russischen Lieblingsgetränk.

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The Variety Show im Backstage.

Als Milan und ich uns in die Chilloutarea vor dem Konzertsaal begaben, lernten wir einige russische Konzertbesucher kennen, diese konnten weder Englisch noch Deutsch. Mit Händen und Füßen, sowie dem lieben Google-Übersetzer führten wir im Endeffekt sehr lustige Konversation. Stets Lost in Translation. Weniger Lost wirkte Maxim mit seiner Band Heavy Loss wenig später auf der Bühne. Der Sänger entpuppte sich als sehr energetischer Frontmann, das Publikum war gut gelaunt und moshte fleißig drauf los.

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Maxim mit seiner Band Heavy Loss.

Als fünfter Act des Abends spielte Wladimir-Techniker Andrey mit seiner Band Abandoned Land. Ihr Sänger positionierte sich vor der Bühne und headbangte das dreißigminütige Set über mit den Fans um die Wette. Bald darauf übernahmen The Variety Show die erwartungsvolle Meute. Die Fans klebten an der Bühne, anders als hierzulande schienen die russischen Fans das Phänomen „Angstkreis“ nicht zu kennen.

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Die erste Reihe beim Set von The Variety Show.

Die drei Musiker ließen sich von der Euphorie sichtlich anstecken und spielten das wildeste Set, das ich je von ihnen gesehen habe. Denn genau das wollten die Fans auch! Auf mehrfache Nachfrage von Sänger und Gitarrist Milan, gaben sie ihnen zu verstehen, dass hier kein Platz für leise Töne sei und die Band gefälligst ihre lauten und wilden Songs abliefern soll. Sie waren gekommen um zu moshen, nicht um den einfühlsam-melancholischen Tönen zu lauschen. Trotz teils technischer Probleme und gefühlten 50 Grad im Club, gab die Band alles um der kleinen Menge zu gefallen.

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The Variety Show live in Murom. Bandkommunikation on stage.

Die russischen quittierten ihren Gefallen am Auftritt anschließend in dem sie sich auf die Band stürzten und um Autogramme, Fotos und sogar Drumsticks bettelten. Nachdem alle neugewonnenen Fans mit CDs, T-Shirts, Autogrammen und Fotos versorgt waren, wir den Backstage aufgeräumt und uns von den anderen Bands verabschiedet hatten, begaben wir uns in unseren Bus und traten die zweistündige Fahrt nach Wladimir an. Das Ende unseres Russland Abenteuers war nah.

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Paul, Chris, Milan, Stanislav mit zwei russischen Fanboys.

Montag, der 19.09.2016
Der Montag stand ganz im Zeichen unserer Heimreise. Nach einer viel zu kurzen Nacht holte uns Igor am nächsten Morgen um 09:00 Uhr ein letztes Mal am Hotel ab, um uns an den Flughafen nach Moskau zu bringen. Vor Ort erfuhren wir dann, dass unser Flug gecancelt worden war und wir somit insgesamt sechs Stunden am Flughafen Moskau verbringen mussten, bevor der nächste Flieger uns um 18:00 Uhr nach Frankfurt und anschließend nach Nürnberg bringen sollte. Wir schlugen die Zeit mit rauchen, lesen, dem vorhandenen WLAN und mit Spaziergängen durch den Flughafen tot, um uns am Ende der Wartezeit seelenruhig zum Gate unseres Flugzeugs zu begeben. Müde und sichtlich K.O. endete unsere gemeinsame Zeit vorerst gegen 23:00 Uhr in der U2 Richtung Heimat.

Text & Fotos: Lorena Seipp
Bandseite: Facebook.com/the.variety.show.official

Den erste Teil des Tourtagebuches findet ihr hier.
Zum zweiten Teil geht es hier entlang.

Stay tuned für weitere News rund um The Variety Show und andere lokale Bands unter www.facebook.com/soundofmycity

 

 

 

 

 

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