Unter einem Dach Festival 2017

Totte von den Monsters Of Liedermaching hat das E-Werk mir gegenüber mal als „Musikfabrik in der Konzerte am laufenden Band produziert werden“ beschrieben. Ganz unrecht hat der Musiker, der schon viele Male im E-Werk gastierte, gewiss nicht. Doch in dem laufenden Konzertbetrieb gibt es auch einige ganz besondere Herzens-Festivals im E-Werk. Das Unter einem Dach Festival gehört definitiv dazu.

Insgesamt 18 Acts traten bei der dritten Ausgabe des Unter einem Dach Festivals auf. Das Lineup war eine ausgewogene Mischung aus etablierten Acts, Durchstartern und Geheimtipps. Die neue Gartenbühne, die Kellerbühne, das Tanz-Werk, das Kino und der Saal wurden an diesem Tag bespielt, doch bevor die ersten Töne im E-Werk erklangen begann der Unter einem Dach Tag mit Akustiksessions. Hierfür hatten sich vier ausgewählte Acts des Festivals bereit erklärt jeweils komplett unplugged für ihre Fans in verschiedenen Erlanger Locations zu performen. Ein feines Warmup für das Unter einem Dach Festival. So spielte Hanna Leess im Plattenladen Bongartz, Chapter 5 im Wort&Klang, Max Prosa vor dem FreeWilly und Giant Rooks im Gummi Wörner. Die Sessions waren allesamt gut besucht und sorgten für noch mehr Vorfreude auf den kommenden Konzertabend.

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Chapter 5 beim ihrer Akustiksession, Wort&Klang Erlangen 13.05.2017

Ich hatte die Aufgabe gehabt die Acts zu den jeweiligen Sessions zu begleiten und als ich mit Giant Rooks nach deren Session gegen 18:30 Uhr wieder zurück zum E-Werk kam, stand bereits eine Besucherschlange am Einlass. Die Leute waren also bereits zur Einlasszeit am Start, somit konnten A Tale Of Golden Keys das Festival um 19:00 Uhr auf der neuen Gartenbühne vor zahlreichen Besuchern eröffnen. Ich war voll und ganz mit fotografieren und filmen beschäftigt währendem A Tale Of Golden Keys für die ersten sanften Töne des Festivals sorgten. Der eine Teil des Publikums lauschte andächtig, währendem der andere Teil des Publikums fröhlich schwätzend im Garten das sonnige Wetter genoss. Das Schwabacher Trio, das mittlerweile vertreten durch Landstreicher Booking und das Listen Collective quer durch ganz Deutschland tourt, zelebrierte derweil sein souveränes Set  auf der neuen Bühne.

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A Tale Of Golden Keys beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Als nächste Band spielten Xirow in der Kellerbühne, die junge Band hatte ihren Slot durch ihr Engagement beim Fanvoting des Unter einem Dach Festivals verdient gewonnen und sorgte mit ihrem atmosphärischen Pop-Rock für einen guten Auftakt in der Kellerbühne. Als nächstes wurde der Saal eröffnet, dort sang Max Prosa ohne Angst und ohne Wut und man merkte ihm an, dass er wie in seinem Song „Glücklich mit nichts“ beschrieben „immer nur singen“ wollte und froh war dies nun zu tun. Der Musiker schien glücklich auf der Bühne zu sein und sich bei seinem vierten Auftritt im E-Werk sehr wohl zu fühlen. Die Zuschauer begneten mit wohlwollendem Applaus.

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Max Prosa beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Bald darauf wurde die vierte und kleinste Festivalbühne eröffnet: Das E-Werk Kino. „Was??? Das E-Werk hat ein Kino?“ Ja! Und dort sorgte Linda Rum für ein wunderschönes und sehr nahbares Konzerterlebnis. Die Leute standen Schlange bis hinaus ins Kinofoyer um der Musikerin und ihrem Multiinstrumentalem Begleiter zu lauschen. Ihre poppigen Folksongs getragen von ihrer starken Stimme passten perfekt in die Kulisse des kleinen Kinos. Leider hatte ich nicht genug Zeit um ihr noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn als nächstes standen Angiz auf meinem Plan. Die junge Indie-Rap Formation aus Kronach eröffnete das Tanz-Werk mit ihrer energetischen Bühnenperformance. Frontmann Mario scheute sich nicht davor die komplette Bühne auszunutzen um seine Texte mit großen Gesten zu untermalen. Die Festivalbesucher wurden langsam warm und dankten Angiz für die ersten tanzbaren Töne des Festivaltages. Musikalisch könnte man die Band irgendwo zwischen Kraftklub und Casper einordnen.

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Angiz beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Ein Phänomen das nach und nach in sämtlichen (Groß)städten erscheint sind Kneipenchöre. So auch in Erlangen. Unter dem Dach des E-Werks probt seit einiger Zeit der Erlanger Kneipenchor. Der Kneipenchor singt mit dem Motto „Wir trällern im Kneipenlicht. An den Tresen dieser Stadt“ alte Hits, sowie neue Songs. Seit neustem hat der Chor auch „Wenn du tanzt“ von Von Wegen Lisbeth im Repertoire, die Chorvariante des Songs wurde begeistert vom Publikum aufgenommen. Von Wegen Lisbeth hatten bereits bei der ersten Ausgabe des Unter einem Dach Festivals gespielt und damals dafür gesorgt, dass das E-Werk Programmteam (von dem ich ein Teil bin) wochenlang den Refrain von „Sushi“ durchs Büro schmetterte: #Ohrwurm. Am 05. Oktober kommen sie endlich wieder ins E-Werk: #Vorfreude.

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Der Erlanger Kneipenchor beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Im Anschluss war es Zeit für den Auftritt von Hanna Leess in der Kellerbühne. Die amerikanische Wahlberlinerin sorgte mit einer gewissen Rock’n’Roll Attitüde die ihrer Bühnenperformance innewohnte für ein besonderes Highlight des Abends. Ihre experimentellen Folksongs zeigten, dass das Genre mehr zu bieten hat als braves Storytelling. Ich habe Hanna Leess an diesem Abend zum ersten Mal live gesehen und muss zugeben, dass ich schon lange nicht mehr so vom Charisma einer Musikerin gebannt war wie im Falle von Hanna Leess. Das letzte Konzert bei dem ich gleichermaßen von einer mir bis dato unbekannten Musikerin derart vereinahmt gewesen bin, war das Konzert von Terra Lightfoot beim Reeperbahn Festival 2016.

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Hanna Leess beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Mein nächstes Ziel des Abends war wieder das Kino, dort sollte der kurzfristig ins Lineup gerutschte Boy Omega performen. Boy Omega war mir durch sein Konzert im Rahmen der Konzertreihe Live At Bedroomdisco Nürnberg bereits bekannt. Nach einem Soundcheck der beinahe so lang wie seine Stagetime war begann der Schwede sein Set vor den wenigen Leuten, die sich in dem kleinen Kinosaal eingefunden hatten. Boy Omega aka Martin Henrik Hasselgren nutzte die ihm gegebenen zwanzig Minuten um das Publikum in seinen Bann zu ziehen, doch die parallel spielende Konkurrenz war stark. Mit etwas schlechtem Gewissen musste ich mich nach zwei Songs verabschieden, da ich meiner Aufgabe das Festival aufzuzeichnen um ein Aftermovie zu erstellen nachkommen musste. Nächster Stopp: Giant Rooks! Die fünf jungen Musiker spielten bereits auf der großen Bühne des Saals vor einem offensichtlich begeisterten Publikum als ich den Raum betrat. Strahlende Gesichter vor der Bühne, strahlende Gesichter auf der Bühne. Giant Rooks sind eine beeindruckend gut aufeinander eingestimmte Liveband. Währendem ich entzückt in ihrem Sound badete vergas ich vollkommen die Zeit. Erschrocken stellte ich dann um 22:00 Uhr als Giant Rooks ihr Set beendeten fest, dass mir nur noch 10 Minuten blieben um dem Auftritt meines eigentlichen Festival-Highlitghts beizuwohnen.

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Giant Rooks beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Schnell begab ich mich auf den Weg ins Tanz-Werk, stürmte sofort mit meiner Kamera bewaffnet die erste Reihe, nur um kurz darauf und leider fünf Minuten vor dem eigentlichen Ende ihres Sets euphorische Abschiedsworte von Leoniden-Frontmann Jakob zu vernehmen. Jakob stand nicht zum ersten Mal beim Unter einem Dach Festival auf der Bühne, im letzten Jahr hatte er bereits mit seiner (mittlerweile aufgelösten) Band Trouble Orchestra überzeugt. Damals hatte eine Kollegin über Jakobs Performance mit dem Trouble Orchestra folgende Worte fallen gelassen: „Der Sänger ist echt killer! Wahnsinn wie der abgeht!“ Im Falle der Leoniden kann man dies über die komplette Band sagen. Nachdem ich Leoniden bereits beim Reeperbahn Festival 2016 live gesehen hatte, konnte ich mir gut vorstellen welchen legendären Abriss ich da beim Unter einem Dach Festival so gut wie verpasst hatte. Eine gute Freundin von mir wurde es für den Rest des Abends nicht Leid zu erwähnen wie „super nice“ und „mega gut“ der Auftritt der Leoniden gewesen sei und dabei ständig den Song „Nevermind“ anzustimmen. Mit ihrem frickeligen, tanzbaren Indiesound hatten die Kieler für Ekstase im Tanz-Werk gesorgt. Dies bestätigte mir eine weitere Bekannte, der ich den Tipp gegeben hatte sich die Band anzuschauen, ebenfalls begeistert. Na ja, ich habe mir jetzt jedenfalls den 25. Oktober 2017 rot im Kalender markiert, an diesem Termin werden die Leoniden nämlich im club stereo in Nürnberg spielen.

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Leoniden beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Immer noch etwas ärgerlich über den so gut wie verpassten Auftritt der Leoniden begab ich mich in den Garten, knipste einige Fotos vom Zauberauftritt von Siegfried & Joy um mich direkt im Anschluss hoch ins Kino zu Christian Kjellvander zu begeben. Christian Kjellvander war eine ziemliche Enttäuschung, irgendwie schien der grantelig wirkende Musiker nicht besonders gut drauf zu sein und bot seine Musik gänzlich begeisterungslos dar. Wesentlich aufgeregter und zugleich begeisterter wirkten dagegen die jungen Musiker von Chapter 5 bei ihrem Auftritt in der brechendvollen Kellerbühne. Es war kein Durchkommen in dem Raum, dicht gedrängt lauschten die Besucher begeistert dem Trio aus Würzburg. Mit ihren folkigen Ohrwürmern sorgten sie für strahlende Gesichter im Publikum. Da ich mich nicht durch die lauschenden Konzertbesucher quetschen wollte, nutzte ich den Schleichweg durch den Keller um in den Bühnengraben zu gelangen. Von dort aus genoss ich das restliche Konzert mit meiner Kamera vorm Gesicht. Eine Festivalbesucherin hörte ich irgendwann sagen: „Das ist so wunderschön wie die beiden Musiker von Chapter 5 stimmlich harmonieren!“ Recht hat sie. Der Auftritt war rundum harmonisch und schön anzuhören.

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Chapter 5 beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Als nächstes führte mich mein Weg in den Saal zu Fil Bo Riva. Man könnte Fil Bo Riva als englischsprachiges Gegenstück zu AnnenMayKantereit bezeichnen. Sänger Filippo Bonamici sorgte mit seiner Reibeisenstimme für Gänsehaut währendem er sich gänzlich in seine Musik vertieft ohne große Gesten dem Publikum präsentierte. Unterstützt wird er dabei von Felix A. Remm und Michèl Martins Almeida. Ein wenig verloren wirkten die drei Musiker auf der großen Bühne, doch seine Fans versanken dennoch begeistert im Sound des Trios und ignorierten die unpassende Distanz zur Band.

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Fil Bo Riva beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Für Kontrastprogramm sorgte dagegen Goldroger im Tanz-Werk. Der Rapper zelebrierte seine Mischung aus den selbst gewählten Genres Antipop, Kraut-Rap, Future-Hippie, Heroin-Funk, Cloud Rock und Psych-Hop. Währendessen sammelte sich der Schmutzki Mob bereits im Saal. Die treue Fangemeinde der Stuttgarter Band Schmutzki, erkennbar an ihren roten Shirts und Aufklebern, fieberte dem Auftritt ihrer Lieblingsband entgegen. Es ist wirklich beeindruckten welche Euphorie und Hingabe die Fans der Band entgegenbringen. Vor der Bühne versammelten sich neben den treuen Schmutzki-Fans auch all diejenigen Festivalbesucher die nach den vielen vorwiegend ruhigen Konzerten Lust hatten sich endlich in den Pit zu werfen und hemmungslos zu pogen. Manche Leute bezeichnen Schmutzis Musik als Schlager-Punk. Schlager-Punk mit Daseinsberechtigung. Statt andächtig lauschen einfach mal eskalieren und Spaß haben. Textzeilen grölen ohne schief angeguckt zu werden, wenn man keinen Ton trifft. Ich habe Schmutzki schon einige Male live gesehen, wenn sich die Band eines auf die Fahne schreiben darf, dann ist es: Garantie für Pogo und Party mit Herz!

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Schmutzki beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Nichtsdestotrotz war ich neugierig wie es derweil oben im Tanz-Werk bei Sepalot aussah. Der Raum war ebenfalls gut gefüllt mit einem Publikum, dass sich dem Sound des DJs und seinem Drummer hingab. Unterstützt durch eine stroboskobreiche Lichtshow brachte Sepalot die Menge dazu sich im Takt zu bewegen. Währendessen eskalierte der Mob im Saal und ich beschloss mir das Schmutzki-Spektakel weiter anzuschauen. Als ich geradeso wieder im Raum war wurde es hinter mir merkwürdig hell, als ich mich umdrehte musste ich feststellen, dass die Visuals auf den Leinwänden ausgefallen waren. Nachdem kurz ein Startbildschirm aufleuchtete, improvisierten die Techniker blitzschnell und blendeten einfach einen Koala ein. Etwas irritiert wies Sänger Beat Schmutz dann auf den süßen Koala hin, der ihm von den Leinwänden entgegenblickte und erntete daraufhin einige Lacher aus dem Publikum. Zum Abschluss des Abends spielten Schmutzki dann ihren Song „Erinner dich mal“ bevor sie unter tosendem Applaus die Bühne verließen.

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Der Koala beim Unter einem Dach Festival, E-Werk Erlangen 13.05.2017

Das letzte Konzert des dritten Unter einem Dach Festivals war also Geschichte. Zeit für die Aftershowparty! An den Turntables: kl52. Der Space Jam Resident und DJ der 52er brachte den Rest vom Fest noch bis in die Morgenstunden im Tanz-Werk zum Tanzen.

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