HEIM + Nuage & das Bassorchester

08.11.2017 – MUZclub, Nürnberg, ca. 80 Besucher

Es ist ein verregneter Mittwochabend. Die Straßen Gostenhofs sind weitgehend leer gefegt. Die rauchenden Menschen vor dem MUZclub suchen Schutz unter dem Graffiti verzierten Tunnel, der in den Hof der MUZ führt. Es ist kurz nach 20:00 Uhr als ich eintreffe. An die Kasse, 5,- Euro gegen einen Stempelabdruck tauschen, reingehen. Das erste was im Inneren des MUZclubs meine Aufmerksamkeit auf sich zieht ist das ungewohnte Setup. Auf dem Boden vor der Bühne stehen Backline, Monitorboxen und Mikros. Aufgebaut zwischen den Pfosten, die einem gerne die Sicht versperren. Das ebenerdige Setup ist ein Wunsch der Band, wie Veranstalter Andi Klenk später erklärt. Man hat dadurch ein wenig das Gefühl einem Proberaumkonzert beizuwohnen.

Bereits zur Vorband Nuage & das Bassorchester findet sich eine Traube an Besuchern im Club ein. Im Halbkreis stehen sie um die Band herum und lauschen gespannt der Band. In den kurzen Pausen zwischen den Songs, wenn der sphärische Lärm abbricht könnte man glatt eine Stecknadel fallen hören. „Ästhetisch, sympathisch, kaputt„.  Aus scheinbar ästhetischen Gründen tragen die aus dem Ruhrpott stammenden Musiker Fussbaltrikots des FC Schalke 04 und Borussia Dortmunds. Sympathisch sind sie mir, da sie ihre Musik für sich sprechen lassen und nicht viel Zeit mit langweiligen Ansagen verschwenden. Kaputt ist urplötzlich gegen Ende des Sets der Bassamp, der jedoch schnell ersetzt werden kann. „Wir machen jetzt ein wenig Lärm und dann geht es weiter“, lässt Gitarrist und Sänger Julian verlauten bevor sie den Bassound einpegeln. Dann nimmt das Set wieder Fahrt auf mit einem Off-Beat Intro baut sich der brachiale Sound der Band wieder auf und wird plötzlich unterbrochen von gebrüllten Lyrics. Während des Konzerts wechseln sich die drei Musiker am Gesang ab, jeder hat etwas zu sagen. Das Konzert ist ein Ritt zwischen explosiver und bedrückender Stimmung. Die Gitarre kommt mal verträumt daher und wird von rumpelig-scheppernden Drums und bebenden Basslines unterstützt. Nuage & das Bassorchester sind der Beweis: Man sollte sich niemals die Vorband entgehen lassen! Das Set nimmt nach ungefähr 45 Minuten ein Ende und entlässt die Besucher in Richtung Bar und raus in die regnerische Nacht für eine Pausenkippe.

Dann sind HEIM an der Reihe. Durch ihre Supporttour für Turbostaat, bei der sie unter anderem Halt im erlanger E-Werk machten haben sich die Franken einen Namen in der Szene gemacht. Es ist laut. Das muss es für HEIM wohl auch sein. Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen brachialem Krach und melancholischem Indie-Punk. Dazu wird auf der Bühne geheadbangt, während das Publikum immer noch still schweigend und bewegungslos um die Band herum steht und im Sound badet.  Die Bandmitglieder wirken teils als würden sie besser in das Bild einer Metalband passen. Der Auftritt ist eine reine Reizüberflutung: Die Ohren versuchen der Lautstärke standzuhalten, die Gedanken den Texten zu folgen, die Augen die in sich gekehrte und doch exzessive Körpersprache der Musiker zu beobachten und zuletzt möchte man sich einfach auf das gestrickte Klangbild einlassen. Wut, Frust, Hass und Resignation. Bedrohlich. Es ist immer zu viel. Und doch nie genug. Nach 60 Minuten verklingt der letzte Ton. Plötzlich Stille. Die Band verlässt den Raum. Die Besucher versuchen das eben gehörte zu verarbeiten. Es werden Vergleiche gezogen: „Die haben schon Ähnlichkeit mit den Nerven. Aber auch ein bisschen Isolation Berlin.“, aber eigentlich will HEIM scheinbar kein Teil von euch sein.

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