Grenzenlose Vielfalt beim Sound Of Munich NOW

11.11.2017 Feierwerk, München – restlos ausverkauft

Das Sound Of Munich NOW hat es bewiesen: Bayern hat musikalisch eine Menge zu bieten! Von Indiepop über Folk und Bluesrock bis hinzu Punkrock gaben sich am vergangenen Samstag insgesamt 31 Bands auf vier Bühnen des Feierwerks München die Ehre vor ausverkauftem Haus zu spielen. Gegen 5,- Euro Pfand, die man entweder spenden, zurückbekommen oder gegen einen Festivalsampler beim Verlassen der Location eintauschen konnte, hatte man die Möglichkeit in die vielfältige Musikszene Münchens und der Partnerstädte des Festivals einzutauchen.

Teil des Festivals waren in diesem Jahr neben 21 Acts aus München und fünf Bands aus Traunstein, auch fünf Künstler aus Erlangen, die das Kulturzentrum E-Werk und Sound Of My City nach München geschickt hat.

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The Charles beim Sound Of Munich NOW 2017.

Das Festival begann feierlich auf der großen Bühne des Hansa39 mit einer Einlage des Münchner Kneipenchors, welcher freudig vom Publikum empfangen wurde. Im Anschluss eröffneten Lischkapelle mit ihrer Mischung aus Folk, Pop und Blasmusik die kleine Bühne im Hansa39. Als sie ihr Set beendeten, drehte sich das Publikum prompt um und wandte sich wieder der großen Bühne zu, auf der nun die Punkband The Grexits stand. Der Zeitplan der Münchener Bands war eng gestrickt: 15 Minuten Set, 15 Minuten Umbau. Wesentlich entspannter ging es dagegen auf den Bühnen der diesjährigen Gaststädte zu. Dort hatten die Bands jeweils 45 Minuten Zeit, um sich dem Münchner Publikum zu präsentieren. So führte mich mein Weg in die Kranhalle zur Sound Of Traunstein NOW Bühne, auf der Color Comic spielten. Die jungen Musiker zelebrierten ihren ohrwurmtauglichen Indiepop bereits zu dieser frühen Stunde vor vollem Haus.

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Color Comic aus Traunstein beim Sound Of Munich NOW 2017  im Feierwerk, München

Währenddessen eröffnete Felix Käppner in intimer Konzertatmosphäre die Sound Of Erlangen NOW Bühne im Orangehouse. Eine aufmerksam lauschende Menge an Festivalbesuchern hatte sich in der etwas abgelegenen Festivalräumlichkeit eingefunden und verfolgte den Auftritt des Gitarrenvirtuosen voller Entzücken. Man bekam gar das Gefühl, dass Felix Käppner mit seinen vielschichtigen Folksongs zu einem heimeligen Wohnzimmerkonzert eingeladen hatte.

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Trotz der einladenden Stimmung stürzte ich mich wieder in das Festivalgetummel, um Jordan Prince nicht zu verpassen. Der by-on-Act spielte um 19:55 Uhr auf der kleinen Bühne des Hansa39. Mit Partyhütchen auf dem Kopf und freudigem Strahlen im Gesicht, trug der ursprünglich aus New Orleans stammende Musiker seine Songs charismatisch vor. Im Publikum hatte sich eine Traube aus textsicheren Fans eingefunden, die den Auftritt des Singer-Songwriters und seiner Band begeistert feierten. Nach dem Ende von Jordans Set führte das Publikum wieder eine gekonnte Drehung durch und blickte dem Auftritt von den Rockern Salome Fur entgegen. Ich beschloss nach kurzem Zuhören mir einen Weg in Richtung Kranhalle zu bahnen und stolperte auf dem Weg dort hin über Mario und Lukas von der Erlanger Band Angiz. Diese hatten beschlossen die Leute mit etwas Guerilla-Werbung auf ihren Auftritt um 22:15 Uhr im abgelegenen Orangehouse aufmerksam zu machen. Ob das funktionieren würde?

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Mario (links) und Lukas von der Band Angiz sind positiv gestimmt: Um 22:15 Uhr haben sie die Absicht vor vollem Haus in München spielen.

Derweil sorgten Heischneida in der Kranhalle für bayrisches Flair. Amüsant vorgetragener Mundart-Folkrock untermalt von Blasinstrumenten. Das Publikum war zwiegespalten: Man sah begeisterte Tänzer vor der Bühne und skeptisch dreinblickende Besucher, die sich lieber in Richtung der anderen Bühnen bewegten. Im Hansa39 sorgten derweil die Punkrocker Todeskommando Atomsturm für Ekstase. Die Musiker zelebrierten rotzigen Deutschpunk mit lyrisch erhobenem Mittelfinger und legten dabei eine mitreissende Spielfreude an den Tag. Für Kontrastprogramm sorgten im Anschluss die in sich gekehrt wirkenden Blue Haze mit ihrem verträumt vorgetragenen Dreamgaze.

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Deutschpunk wie er sein sollte: Todeskommando Atomsturm beim Sound Of Munich NOW 2017

Im Organehouse spielten derweil Sound Organic Matter. Das Quartett hatte am Freitag ihr Album „LOVE HATE HOPE FATE“ mit einem Releasekonzert im Erlanger E-Werk veröffentlicht und war nun schon seit vier Tagen auf Tour. Doch von den Tourstrapazen merkte man den Musikern auf der Bühne nichts an, vollkommen in ihrem Element trugen sie ihre epischen Rocksongs vor. Der Raum war bis hinten hin gefüllt und man sah viele begeisterte Augen im Publikum, die gebannt der virtuosen Performance von SOM folgten. Die Band schaffte es souverän die Besucher in das Wechselbad der Gefühle einzutauchen, die dem Konzeptalbum „LOVE HATE HOPE FATE“ innewohnen. Gänsehaut garantiert. Da ich von der SOM-Performance so sehr gefesselt war, verpasste ich leider Tiger Tiger, Snowfall und Fendt, die zeitgleich zu Sound Organic Matter spielten. Mein geplanter Zeitplan war ohnehin schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt: Zu viele Bands, zu wenig Zeit.

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Sound Organic Matter im vollen Orangehouse beim Sound Of Munich NOW 2017.

Nach einem schnellen Changeover auf der Sound Of Erlangen NOW Bühne war es dann Zeit für Angiz ihren Indierap an die Münchner zu bringen. Die Guerilla-Werbung hatte sich gelohnt: Es war bereits vor Beginn ihres Auftritts Einlassstopp im Orangehouse. Zu Recht! Die aus Erlangen und Kronach stammenden Musiker holten das Publikum mit ihrer zwischen Melancholie und Euphorie wechselnden Liveshow ab. Es wurde zu Songs wie „Vitamin B“ und „Smombie“ getanzt und bei dem gefühlvollen Stück „Vollmond“ andächtig gelauscht.

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Sänger und Rapper Mario (Angiz) in seinem Element beim Sound Of Munich NOW 2017.

Das Sound Of Munich bot ein reges Treiben dar: Menschen gönnten sich eine Atempause vor den Konzertsälen, bahnten sich den Weg zur nächsten Theke und versammelten sich in Scharen vor den Bühnen. Das beschriebene Einlasssystem schien sich bereits zu bewähren, denn vor dem Feierwerk stand eine lange Schlange aus wartenden Besuchern, die immer noch  Hoffnung auf Eintritt hatten, sobald jemand aus der Location trat und sein Besucherbändchen abschneiden ließ. Um 22:55 Uhr hatten bereits 21 Bands gespielt und nun war Liann an der Reihe sich dem Publikum innerhalb von 15 Minuten zu präsentieren. Deutschsprachige Ohrwürmer prägten das Set des Singer-Songwriters. Damit steht Liann gekonnt in den Fußstapfen von Musikern wie Philipp Poisel und Clueso.

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Liann auf der kleinen Bühne des Sound Of Munich NOW.

Nach dem ersten Tönen der folgenden Band stellte ich mir nur noch eine Frage: Wieso waren Matija nicht schon früher auf meinem Radar erschienen? Die Indieband riss das Publikum bereits ab dem ersten Song mit und sorgte für ausgelassene Stimmung im Raum. Matija, die bei dem Label Clouds Hill unter Vertrag sind, ließen keine Zweifel daran, dass sie für große Bühnen geschaffen sind. Viel zu schnell war das tanzbare Set, welches durch interessante Instrumentierung begeisterte, vorbei und hinterließ das Publikum mit Lust auf mehr.

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Zwischen großen Gesten (Titelbild) und gekonntem Blöckflötenspiel: Sänger Matt Kovac wusste die Bühne für sich einzunehmen und das Publikum beim Sound Of Munich NOW 2017 mitzureissen.

Als nächstes erfüllten laute Gitarrenriffs den Raum, Ni Sala bespielten die kleine Bühne des Hansa39, die Band hatte bereits als Support von Mother’s Cake auftreten dürfen und zelebrierte ihre Musik ähnlich exzessiv. Danach folgten The Charles auf der großen Bühne. Während dem Auftritt der Bluesrocker bezog ich Position im hinteren Bereich des Raums und konnte einen Blick auf die Arbeit des Mitarbeiters der Süddeutschen Zeitung werfen, der sich um den Livestream kümmerte. Daheimgebliebene konnten die Auftritte der Münchner Bands auf der Facebookseite der SZ Junge Leute verfolgen. Dort ist auch im Nachhinein ein kompletter Livemitschnitt aus dem Hansa39 zu sehen. Nach dem Set von The Charles sorgte der Rapper Grasime für einen harten musikalischen Schnitt, zusammen mit dem Großteil des Publikums verließ ich den Raum und begab mich zurück zum Orangehouse. Um festzustellen, dass das Konzert von The Variety Show bereits vorbei war. Wie mir später berichtet wurde, hatten die Musiker eine Bandpause auf unbestimmte Zeit von der Bühne herunter angekündigt.

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Dreckigen Rock’n’Roll zelebrierten Ni Sala beim Sound Of Munich NOW

Zum Ausklang des phänomenalen Festivaltages, begab ich mich zu Allænd North in die Kranhalle. Diese sorgten mit ihrem schweren Sound zwischen Shoegaze, Trip Hop und Neo-Jazz für einen würdigen Abschluss auf der Sound Of Traunstein NOW Bühne. Ich war gänzlich gefesselt von der charismatischen Performance der Frontfrau Anna und dem einwandfreien Zusammenspiel ihrer Mitmusiker, dass sich lediglich durch die absurden Ansagen von Stefan an den Synthies unterbrechen ließ. Allænd North war ursprünglich als Proberaumprojekt geplant gewesen und nie dazu gedacht auf die Bühne zu kommen. Gut, dass sich die „Indie-Workaholics“, wie PULS die Bandmitglieder so passend betitelte, anders entschieden haben.

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Allænd North beim Sound Of Munich NOW 2017

Nachdem ich mir den Auftritt von Allænd North vom ersten bis zum letzten Stück angehört hatte, führte mich mein Weg raus in die kalte Nacht durch den Regen zum Orangehouse. Dort ließen Willow Child die letzten Töne des Festivals erklingen. In gewohnter Manier zelebrierten die Musiker ihr Set, dass sich musikalisch in den Fußstapfen der Blues Pills bewegte. Gekonnt wussten Willow Child die letzten Kraftreserven des versammelte Publikums heraufzubeschwören und dem Festival ein würdiges Live-Finale zu bescheren. Im Anschluss wurde Erlangen von einigen Musikern gebührend auf der Tanzfläche des Kranhallen Cafés bei der dortigen Aftershowparty repräsentiert. Vielen Dank ans Feierwerk und die Süddeutsche Zeitung für die Einladung!

Text & Fotos: Lorena Seipp
Eine komplette Fotogalerie gibt es unter www.facebook.com/soundofmycity

 

 

 

 

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