Interview: ZULU auf E-Bike Tour

Die Dreampop-Indieband ZULU hat sich für den Sommer 2019 etwas Besonderes ausgedacht: Eine Tour quer durch Süddeutschland. Das Besondere daran: Sie legen die Strecke zwischen den Gigs mit E-Bikes zurück! Ich habe mich mit Bassist Basti und Gitarrist / Sänger Max zum Interview getroffen. Im Interview erzählen sie wie es ihnen auf ihrer klimafreundlichen Tour bisher ergangen ist und weshalb die Natur solch ein wichtiger Faktor für die junge Band aus Würzburg ist.

Sound Of My City: Ihr seid nun seit einigen Tagen unterwegs. Wie läuft die E-Bike Tour bisher?

Basti: Der erste Tag war mega anstengend. Max hatte einen Fahrradunfall und Jannis hat sich direkt einen starken Sonnenbrand zugezogen. Zusätzlich hat es abends angefangen zu regnen und dann ist auch noch bei einem Bike der Akku leer gegangen. 10 km ohne Akku mit all dem Gepäck steil bergauf – das war extrem anstrengend! Die gesamte Etappe hat 80 Kilometer umfasst, aber trotz all dieser Vorfälle war bei der Ankunft alle zufrieden. Auch wenn wir uns den Tag über öfters fragten: „Warum tun wir uns das an?!“, sind wir jetzt froh es geschafft zu haben. Haha. Im Gegensatz zu diesem turbulenten ersten Tag, waren die letzten beiden Tage sehr entspannt. Gestern waren wir in Fürth, heute mussten wir nur 20 Kilometer bis nach Erlangen fahren. Das war easy machbar. Man muss für die Kilometerangaben allerdings beachten, dass wir abends auf der Bühne stehen und Konzerte spielen. Davor packen wir alles aus, bauen auf, machen Soundcheck. Das sind schon andere Gegebenheiten als bei einer normalen Fahrradtour.

Basti (links) und Max (rechts) von ZULU live im Transfer, Erlangen

Sound Of My City: Wie ist die Idee zu dieser E-Bike Tour entstanden?

Max: Die Idee kam von Basti und der Grundgedanke war, dass wir versuchen wollten eine CO2-neutrale Tour zu spielen. Da gibt es grundlegend nicht viele Möglichkeiten. Eigentlich gibt es keine gänzlich klimaneutrale Option sein Equipment von A nach B zu bekommen um Konzerte zu spielen. Eine Tour mit E-Bikes ist der beste Annäherungsversuch an eine klimafreundliche Konzertreise. Wir fanden die Idee mit den E-Bikes dann so cool, dass wir uns nach langem Überlegen in die Arbeit gestürtzt haben um das Ganze zu organisieren. Wir wollen die E-Bike Tour unbedingt durchziehen!

Sound Of My City: Wenn man eure bisherige Bandgeschichte begutachtet, scheinen maßgebende Geschehnisse immer in der Natur stattgefunden zu haben: Die Gründung in einer einsamen Hütte in Dänemark, Videodrehs an der irischen Küste. Wie wichtig ist es euch als Band raus aus dem Treiben der Stadt zu kommen und in die Ruhe der Natur einzutauchen? Wie sehr beeinflusst das euren kreativen Fluss?

Max: Immer wenn wir uns an einem abgeschiedenen Ort treffen und Zeit zusammen in der Natur verbringen, sind wir viel fokussierter um an neuer Musik zu arbeiten. Im Alltag, wenn man sich einfach in der Stadt trifft, hat jeder viel zu viel im Kopf. Es ist dann zu viel um einen herum los und man findet im Treiben der Stadt nicht so gut die nötige Konzentration um ernsthaft an Musik zu arbeiten.

Sound Of My City: Hat das die letzten Tage unterwegs funktioniert oder ist der sportliche Faktor zu groß um sich der Natur hinzugeben?

Basti: Ich würde schon sagen, dass die sportliche Aktivität und die ganze Planung die an solch einer E-Bike Tour hängt, das Genießen der Natur in den Hintergrund drängt. Es ist aber nichtsdestotrotz eine spannende Erfahrung für uns. Auch wenn wir uns bereits seit über 10 Jahren kennen, kommt man sich auf solch einer Tour nochmal näher.

Max: Heutzutage nenn man das ja Teambuilding! Haha. Die E-Bike Tour ist schon eine Grenzerfahrung, aber auf eine sehr schöne Art und Weise.

Sound Of My City: Wie schwer war es für euch Locations zu finden, die euch im Sommer auftreten lassen?

Max: Unser Hauptproblem ist natürlich, dass wir extrem vom Routing abhängig sind. Dadurch, dass wir die Strecken mit E-Bikes meistern, ist es extrem wichtig wo wir an welchem Tag spielen. Deswegen war der Planungsaufwand wesentlich höher. Allerdings war auch die Resonanz viel größer: Es sind viel mehr kleinere Locations aufgesprungen, weil sie die Idee mit den Fahrrädern super fanden! Dadurch haben auch einige Locations zugesagt für Tage an denen sie normalerweise kein Konzert veranstalten würden.

Sound Of My City: Wenn man sich eure Livevideos anschaut, stellt man fest dass ihr viel Wert auf eine gute Lichtshow legt und generell viel Equipment auf der Bühne habt. Wie schwer ist es euch gefallen nur das Nötigste einzupacken um das Equipment somit transportabel zu halten?

Basti: Hehe, es war schon eine Herausforderung! Aber wir haben einen guten Mittelweg gefunden: Wir verzichten auf unsere Computer und nutzen im Prinzip keine Samples. Wir haben Ruffy, der sonst als Techniker dabei ist, als zusätzlichen Keyboarder dabei. Bei manchen Songs haben wir ein Handpan aka. Sunpan dabei. Dadurch können wir unsere Songs auch akustiksch umsetzen. Wir spielen grundlegend nicht ganz akustisch, wir haben auch einen E-Bass und eine E-Gitarre dabei. Das Arrangement mit dem wir nun auf Tour sind, stellt uns wirklich zufrieden.

Max: Die Abwechlsung ist cool. Ich glaube wir würden weder gerne ausschließlich im großen Set Up (also voll elektronisch) spielen, noch nur akustisch spielen. Die Abwechslung macht gerade Spaß!

Schlagzeuger Jannis mit besagter Handpan.

Wenn man sich ZULUs Albumtitel analogue heart // digital brain ins Gedächtnis ruft, ist der willkommene Wechsel zwischen Akustik und Elektro umso mehr nachvollziehbar.

Sound Of My City: Wie seid ihr an die Lastenräder gekommen?

Max: In Würzburg gibt es einen Verein namens „Initiative freies Lastenrad“, der an verschiedenen Stationen Lastenräder zur Verfügung stellt. Normalerweise kann man sich diese Räder für drei Tage kostenlos ausleihen um etwas innerhalb Würzburgs zu transportieren. Wir hatten einen guten Kontakt zu diesem Verein und einem Fahrradkurrier namens Radboten, die das für uns eingefädelt haben. Somit können wir die E-Bikes für zwei Wochen benutzen.

Sound Of My City: Sehr schön, dass es solch eine Initiative in Würzburg gibt.

Basti: Man muss auch dazu sagen, dass sich die beiden Organisatoren Karolin und Oliver komplett selbstlos in das Projekt gestürtz haben. Die beiden sind immer für uns da und helfen bei allen Belangen. Sie haben uns auch noch Helme geponsert. Das gibt einem schon echt viel Power, wenn man solche engagierten Unterstützer hat.

Max: Wir haben wirklich gemerkt, dass es viele sehr selbstlose Menschen gibt, die sich aktuell im Bereich Umweltschutz engagieren. Wir sind so liebevoll unterstützt worden und haben neben den Lastenrädern auch noch wetterfeste Jacken aus alten Fallschirmen, sowie Schuhe bekommen. Ein Gitarrenbauer aus Österreich hat mir eine Reisegitarre gebaut, weil er nachhaltige Gitarren herstellt und unser Unterfangen unterstützenswert fand. Zusätzlich haben wir auch noch Wegverpflegung in Form von Spenden verschiedener kleiner, veganer Lebensmittelfirmen bekommen. Die Planung für diese Tour hat eine großartige Dynamik angenommen und es sind viele begeisterte Leute auf den Zug aufgesprungen um uns zu unterstützen. Das ist wirklich wunderschön.

Sound Of My City: Ihr habt in Bezug auf den Umweltschutzfaktor eurer Tour ein angenehmes Netzwerk gefunden, das euch unterstützt. Wie seht ihr die Musikförderung in Bayern und speziell in Würzburg unabhängig davon, im Alltag des Musikerdaseins? Wie schaut es in Bezug auf Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten in der Region aus?

Max: Man muss bei uns hervorheben, dass wir so glücklich sind und von BY-On, dem bayerischen Bandförderprojekt, gefördert werden. Die haben uns auch bei dieser Tour enorm unterstützt. In Würzburg, gemessen an seiner Größe, haben wir auch schon profitiert von verschiedenen Fördermöglichkeiten. Für die Radtour haben wir viele Förderer abseits der eigentlichen Musikförderung gefunden, die einfach Bock auf uns hatten.

Basti: Aber um auf das Thema Proberäume zu kommen. Es gibt einen Verein namens „Musikbahnhof e.V.“ in Würzburg. Dort haben wir aktuell unseren Proberaum. Eigentlich bräuchten wir inzwischen einen größeren Proberaum, den wir uns nicht mit anderen Teilen müssen. Es ist allerdings sehr schwierig in Würzburg einen solchen Raum zu finden.

Sound Of My City: Ihr engagiert euch auch für die Erhaltung der Posthalle, richtig?

Basti & Max: Ja, genau!

Max: Die Posthalle soll abgerissen werden und das ist einfach nicht vertretbar für Würzburg. Das kann nicht sein! In der Posthalle sind neben den Veranstaltungsräumen auch viele Proberäume beherbergt. Der Abriss wäre ein immenser Verlust für die Musikszene Würzburgs. Deswegen unterstützen wir auch die Petition um die Posthalle zu retten.

Sound Of My City: Das ist wohl wahr. Sehr löblich, dass ihr euch für den Erhalt der Posthalle engagiert. Welche Pläne habt ihr ansonsten für die Zukunft der Band?

Basti: Wir beschäftigen uns gerade viel mit dem Songwriting und der Arbeit an neuen Sachen. Vor allem wollen wir in Zukunft viel selbst machen und nicht mehr von Tonstudios abhängig sein. Die D.I.Y. Attitüde steht diesbezüglich im Vordergrund. Im kommenden Jahr wird mit Sicherheit neuer Content geliefert werden.

Max: So kann man das stehen lassen, genaueres wollen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten…

Weitere Infos zur Band: www.wearezulu.de

Interviews & Fotos: Lorena Seipp
Location: Transfer / City: Erlangen

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