Interview mit Elena Steri

Elena Steri hat sich in kurzer Zeit vom absoluten Geheimtipp zu einer der spannendsten Vertreter*innen der Musikszene Nürnbergs entwickelt. Im Interview erzählt sie von ihrem bisherigen Werdegang im Musikbusiness, ihrer Erfahrung als Musikerin in der Corona-Krise und der Idee hinter Songs from her(e).

Wie würdest du dich in maximal drei Sätzen vorstellen? 

Hey, ich bin Elena Steri, ich schreibe Indie-Folk Songs auf der Ukulele und der E-Gitarre und singe sie. Alles andere was man wissen möchte kann am am allerbesten auf einem Konzert von mir rausfinden. 

Ich habe dich zum ersten Mal bei der Eröffnung des festival contre le racisme in sehr kleinem Rahmen in der Ohm Universität Nürnberg spielen hören. Das war im November 2018. Hättest du damals erwartet, dass du so schnell Gehör finden würdest? Wie bist du zum Musizieren gekommen? Was waren deine bisherigen Highlights? 

Wow, das kommt mir tatsächlich vor, als wär’s vor einer halben Ewigkeit gewesen – da hatte ich ja noch überhaupt nicht vor, irgendwie Musik zu machen und wusste auch gar nicht, dass das gut ankommt. Dass ich damit überhaupt Gehör finden würde, hab ich wirklich nicht erwartet, aber vielleicht ist das auch das Schöne daran, weil vieles einfach so passiert ist, ohne dass ich es geplant hatte und genau deswegen so aufregend war und ist. Musik schreibe ich schon seit ich 13 bin, allerdings habe ich nie vor anderen Leute gesungen, weil ich immer dachte, ich bin nicht gut genug. Anfang 2019 waren’s also so kleine Gigs über Anfragen und das wurde dann immer mehr. Ich glaube das Schönste sind für mich Festivals, aber auch die Supportshows, die ich für Tomberlin und Jesper Munk gespielt habe. Da merkt man immer erst, dass all diese krassen Musiker*innen auch nur Menschen sind, die vielleicht auch nicht immer wissen was sie tun. Und dann hat man eben sofort was gemeinsam, weil es egal ist wie technisch gut man ist, solange das Herz dran hängt. 

Du hast kürzlich freudig verkündet, dass du nun von der Initiative Musik unterstützt wirst. Wie sieht für dich die Unterstützung als Künstlerin in der Corona-Krise aus? Wo sollte deiner Meinung nachgebessert werden? 

Die Initiative Musik ist tatsächlich für mich die einzige Unterstützung, in die ich als Künstlerin, die nicht bei der KSK ist und alle möglichen anderen Kriterien nicht erfüllt, reinrutschen hätte können. Wir werden diese Unterstützung in die nächste Produktion stecken, denn da sind wir schon mitten in der Planung. 

Ich finde aber, dass genau an solchen Ecken eben noch mehr stattfinden müsste. Da gibt es zwar Förderungen, aber auch da kommt man oft nur auf gut Glück rein, was total schade ist. 

Mit der Konzertreihe Songs from her(e) setzt du dich für mehr weibliche Sichtbarkeit in der Musikwelt ein. Wie sind deine Erfahrungen diesbezüglich und wie ist die Resonanz auf dieses Projekt? Was würdest du dir von AkteurInnen der Musikindustrie hinsichtlich der Förderung von Frauen wünschen? 

Der Ursprung der Reihe war ja meine Feststellung, dass ich mir die Bühne letztendlich doch sehr selten mit Frauen teile, obwohl ich das eigentlich voll schön finden würde. Und da fragt man sich: gibt es wirklich so wenige Musikerinnen oder sind wir einfach Teil eines Systems, in dem noch so patriarchale Strukturen herrschen, dass das, was da ist, nicht gefördert oder überhaupt angenommen wird? Mit dem Projekt wollen wir alle unseren Teil zu dem Moment beitragen, in dem es einfach egal ist, ob da eine Frau oder ein Mann steht, weil es sich sowieso auswiegt. Die Resonanz zu Songs from Her(e) ist bis jetzt sehr positiv! Wir haben auch schon Anfragen aus anderen Bundesländern bekommen, was uns natürlich sehr freut. Ich würde mir wünschen, dass Frauen in allen Bereichen der Musikindustrie mehr gefördert werden: wir brauchen nicht nur mehr Musikerinnen, sondern auch Bookerinen, weibliche Labelchefs, Technikerinnen, Veranstalterinnen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und solche Strukturen sollte man auch weiterhin aufbrechen wollen. 

Bei Songs from her(e) tourt ihr mit fünf Musikerinnen, doch jede spielt als Solomusikerin alleine. Wäre es für dich denkbar irgendwann weitere MusikerInnen als feste Bandmitglieder einzubeziehen oder willst du solo bleiben? 

Ich werde nicht solo bleiben! Tatsächlich stehen jetzt bald die ersten Proben an. Man darf also in jedem Fall noch eine Livesession mit Band in den nächsten Monaten erwarten. Ich bin selber wahnsinnig gespannt, ich war nie in einer Band oder ähnliches.

Du warst in den letzten Monaten sehr aktiv auf Instagram und hattest viel Output rund um persönliche und gesellschaftliche Themen in deinen Stories. Sorgt die Corona-Krise und die aktuelle politische Lage hinsichtlich des Songwritings ebenso für Inspiration und großen Output? Können wir bald neues Material erwarten? 

Die nächste EP kommt bestimmt und erste Singles darf man in diesem Jahr auch noch erwarten, also: we’re on it! Die Songs sind schon länger fertiggeschrieben und warten gerade auf die Studioproduktion, die bald ansteht. Ich habe die freie Zeit in der Pandemie genutzt, um selbst ein bisschen produzieren und arrangieren zu lernen – das könnte ich mir auch für die Zukunft vorstellen. Es sind aber auch neue Sachen entstanden, die hoffentlich auch bald mal live (und mit Band) spielen kann. Ich glaube, im Vergleich zu “a sleepy kind of blue” hat sich einiges getan und ich bin selbst sehr gespannt, wo die Reise noch hingeht.

Worauf freust du dich am meisten, wenn wieder Normalität eingekehrt ist?  

Auf Konzerte! Ich habe gestern zum ersten Mal seit langem eine Live-Band gesehen und ich war danach ganz beseelt. Aber ich freue mich auch einfach auf lange Nächte in vollgestopften Clubs und Kneipen, auf Festivals und auf mehr Raum für Spontanität.

www.elenasteri.de

Beitragsbild (c) Elena Steri