Neu im Team: Vincent Joschko / MusikHighlights 2020 so far

Hallo erstmal. Ich bin der Vinc und ich darf Euch ab jetzt ab und zu mit neuer Musik und Konzertreviews versorgen. Ich habe mir gedacht zum Einstieg wäre ein Release-Rückblick auf das aktuelle Jahr eine gute Idee.

Also here we go:

Bombay Bicycle Club – Everything Else Has Gone Wrong

Am 17. Januar erschien das fünfte Album der Londoner Indiekapelle. Dazu wäre es fast nicht gekommen, denn all ihre Instrumente hatte sie schon verkauft. Doch dann trafen sie sich anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihrer Debütplatte und entschlossen sich wieder an neuer Musik zu arbeiten. Gott sei Dank! Es ist für mich auf jeden Fall das Comeback des Jahres (oder des letzten Jahres). Das kann man sehen wie man möchte. Angeführt von der fulminanten Leadsingle „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)“ (Unbedingt das Video dazu anschauen! Lovely!), welche wie der Rest der Platte von Spielfreude strotzt, meldeten sie sich im September ’19 zurück und konnten auch im November in E-Werk bewundert werden. Für mich persönlich war es eines der besten Konzerte des letzten Jahres.

Mit „Get Up“ eröffnen Bombay Bicycle Club ihre Comebackplatte. Es klingt so als wollten sie einen schlafenden Riesen wecken – tun sie ja auch irgendwie. Der mantraartige Chorgesang mündet in ein Crescendo aus Beckengewitter, Gitarren und Synthies. Herrlich.
Der nächste Song „Is It Real“ ist wohl die treffendste Bezeichnung für 2020. Ob die Briten da eine böse Vorahnung hatten?

Das Album hat auch seine ruhiger Phasen. „I Worry Bout You“ und „Racing Stripes“ treten im Vergleich zum Rest deutlich auf die Bremse.

Im Großen und Ganzen liefern Bombay Bicycle Club ein wirklich sehr gutes Album ab, bei dem sie ihre komplette Bandbreite präsentieren. Und die kann sich hören lassen.

Circa Waves – Sad Happy

Circa Waves sind wirklich eine meiner absoluten Lieblingsbands. Schon mehrfach live gesehen und immer geliebt. Umso schöner ist es, dass sie mich dieses Jahr nach ihrem eher schwachen dritten Album „What’s It Like Over There?“ mit „Sad Happy“ begeistern können. 

Das Album wurde in zwei Phasen veröffentlicht: Die erste Hälfte („Happy“) erschien im Januar und die zweite („Sad“) Mitte März kurz vor dem Blackout der Kulturszene. Ich hoffe, die ausgefallene Tour wird noch nachgeholt. 

Das Album beginnt mit „Jaqueline“. Ein Lied, das zum Hüpfen einlädt und von einem Riff angetrieben wird, das sich sofort im Ohr festsetzt. Die „Happy“-Hälfte hält aber nicht nur absolute Banger wie „Jaqueline“ oder „Be Your Drug“ parat, sondern hat mit Liedern wie „Loving You“ und „The Things We Knew Last Night“ Lieder, die zum Träumen einladen. Letzteres ist eine wunderschön verträumte Ode ans Ausgehen. Sollte man sich dringend auf dem Heimweg von Feiern anhört. Passt perfekt.

„Sad Happy“ stellt den Übergang zwischen den beiden Hälften dar und ist für mich bis jetzt der Hit des Jahres. Klingt ein wenig nach MGMT und der Bass grooved so sehr, dass man automatisch mitnicken muss. Unbedingt anhören! Die „Sad“-Seite ist schon etwas dezenter unterwegs, was das Tempo angeht. Der Qualität der Songs tut das aber keinen Abbruch.

Mit „Hope There’s A Heaven“ liefern Circa Waves kurz vor Schluss nochmal ein richtiges Highlight, das so sehr nach kitschiger 80er-Highschool-Abschlussball-Romanze klingt, dass man es einfach lieben muss. 

Das vierte Album der Liverpudlians ist wie sie selbst sagen:“[…]by far the most ambitious thing we have ever done.“ Widersprechen kann man ihnen nicht. 

Brooke Bentham – Everyday Nothing

Aufmerksam geworden bin ich auf Brooke Bentham über die Instagram-Story von Sam Fender, der mit ihr befreundet ist und von ihr auch seine Art zu singen gelernt hat. Mit „Everyday Nothing“ liefert sie für mich eines der besten Debütalben des Jahres ab. Auch der Titel passt perfekt in die aktuelle Zeit. Zumindest in die Zeit von Mitte März bis Mitte Mai. Müsste man das Album mit einem Hashtag beschreiben wäre es wohl #moody. Wabernde E-Gitarren und eine Stimme so präsent und fragil zu gleich sind die zentralen Bestandteile dieses Albums. Während Alben wie das oben genannte „Sad Happy“ vor allem durch die einzelnen Lieder bestechen, besticht „Everyday Nothing“ vor allem durch Geschlossenheit. Ein Album wie aus einem Guss. Wer also gut 40 Minuten Zeit hat, sollte sich das Ding auf jeden Fall am Stück geben. Es lohnt sich. Musikalisch ist es bei Indie/Singer-Songwriter einzuordnen. Aber es klingt nach so viel mehr. Überzeugt Euch selbst.

Meine persönlichen Highlights sind „High“ (E-Bow Perfektion), „Keep It Near“ (*seufz*) und „All My Friends Are Drunk“ (Was ein Titel – was ein Song!).

Ich hoffe, ich konnte Euch durch meine bisherigen Top 3 einen kleinen Einblick in das geben, was in Bezug auf meine Artikel für Sound Of My City auf Euch zukommt.

Es gab selbstredend noch viel mehr tolle Alben in diesem Jahr. Hier noch ein paar „Honorable Mentions“:

HAIM – Women In Music Pt. III

Phoebe Bridgers – Punisher

Pinegrove – Marigold

Blossoms – Foolish Loving Spaces

Hello Emerson – How To Cook Everything

Jack Garratt – Love, Death & Dancing

The Strokes – The New Abnormal

Laura Marling – Song For Our Daughter

Ja und wie geht es weiter?

Im August liefern zwei zukünftige Headliner-Kandidaten ihre nächsten Werke ab: Die Sea Girls veröffentlichen ihr Debütalbum „Open Up Your Head“ und The Magic Gang ihr zweites Album „Death Of The Party“.

Bis dahin x

Titelbild (c) Max Müller