Interview: Nun Flog Dr. Bert Rabe

Nun Flog Dr. Bert Rabe ist ein Trio aus Fürth / Altdorf. Die Musiker:innen wissen mit semitrash-poppiger Musik und tierisch-genialen deutschsprachigen Texten zu überzeugen. Mit 2/3 der Band habe ich mich zum Interview im Außenbereich des Bocas in Fürth getroffen. Hannes (Klavier) und Mila (Gesang, Bratsche, Bass) erzählen im Interview wie sie die Corona-Zeit bisher kreativ genutzt haben, plaudern über ihren Studioaufenthalt bei Red Audio und die bisherigen und zukünftigen Flugziele von Dr. Rabe.

Ist Nun Flog Dr. Bert Rabe euer erstes Bandprojekt oder habt ihr vorher schon Banderfahrung gesammelt? Wie ist Dr. Rabe entstanden?

Mila: Ich spiele auch mit meinem und Hannes Vater in einer Band. Dadurch haben Hannes und ich uns kennengelernt.

Hannes: Ich war auf einem ihrer Konzerte und war begeistert von Milas Gesang. Dann haben wir auf dieser Basis die Band gegründet. Ich habe schon länger Songs geschrieben und die Entwürfe lagen so herum. Durch Felix (Schlagzeug), der ein alter Grundschulfreund von mir ist, wurden wir dann komplettiert. Schlussendlich haben wir dann angefangen gemeinsam Lieder zu basteln und so ist Nun Flog Dr. Bert Rabe entstanden.

Wie habt ihr die Corona- Ausgangsperre im Frühjahr kreativ genutzt?

Mila: In Bezug auf Autritte war es natürlich eine absolute Flaute. Wir haben die Zeit für diverse Projekte per Internet genutzt, also wir haben zwei Lieder während der Ausgangssperre im Frühjahr 2020 daheim geschrieben und dann übers Internet zusammengefügt. Jeder so seinen Part.

Habt ihr auch vor der Webcam geprobt?

Hannes: Das haben wir erstmal sein lassen. Wir haben gar nicht geprobt. Jeder hat seinen Teil geübt und wir haben uns am Homerecording probiert und da hat dann jeder seinen eigenen Teil aufgenommen und diese Teile haben wir dann als Demos zusammengeführt. Das war echt lustig! Aber halt auch scheiße, weil es sich sehr künstlich angefühlt hat, da man nicht zusammen Musik gemacht hat.

Waren das eure ersten Schritte in Sachen Homerecording?

Hannes: Wir haben vorher noch nie so richtig daheim aufgenommen.

Mila: Also wir haben mal versucht im Proberaum meine Papas etwas aufzunehmen. Das war aber sehr sporadisch und improvisiert.

Hannes: Ja, die Aufnahmen von damals klingen echt scheiße!

Ihr habt beim Erlanger Newcomer Festival drei Studiotage gewonnen, die ihr vor kurzem eingelöst habt. Wie waren denn eure Erfahrungen im Red Audio Studio? Wie habt ihr euch auf die dortigen Aufnahmen vorbereitet?

Beide lachen.

Hannes: Wir wussten vorher gar nicht was auf uns zukommt! Wir haben halt viel geprobt um unsere Lieder gut spielen zu können und mehr wussten wir nicht über die richtige Rangehensweise… Dann sind wir dort hin gekommen und wurden sehr positiv überrascht! Der Studioaufenthalt in Herzogenaurach war einfach der Oberhammer! Ich bin immer noch geflasht davon!

Mila: Ich fand es auch richtig gut. Alleine schon, dass man sich in das gemachte Nest, also in einen guten technischen Aufbau, setzen kann und nur noch sein Zeug spielen muss ist echt cool!

Hannes: Oft haben wir festgestellt, dass wir bestimmte Parts noch nie so intensiv wahrgenommen haben. Unser Drummer Felix meinte aufgrund der guten Akustik, dass er einige Teile erst dort im Studio richtig gehört hat. Man hört sich halt einfach total gut und das macht sehr viel Spaß!

Stand das Konzept der EP schon vorher in Bezug auf die Auswahl und Anzahl der Songs?

Hannes: Es war uns nicht klar, wie viele Songs wir innerhalb des dreitägigen Studioaufenthalts schaffen würden. Es gibt halt Musiker, die in dieser Zeit drei Songs schaffen und andere schaffen 10. Wir waren auch sehr unentschieden welche wir nehmen würden. Am Ende haben wir uns auf sechs Lieder fokussiert. Das haben wir auch gut geschafft.

Mila: Wir sind mit der Qualität sehr zufrieden! Es klingt jetzt nicht abgehetzt, so als hätten wir in kurzer Zeit zu viel schaffen wollen. Es ist zeitlich sehr gut aufgegangen und wir sind sehr happy mit dem Ergebnis!

Trotz eurer qualitativen Zufriedenheit heißt die EP jetzt „Semitrash“. Woher kommt diese abwertende Bezeichnung?

Hannes: Das hat Ruffy (Red Audio Studio) gesagt! Bei einer Raucherpause meinte er: „Ihr macht echt so Semitrash Pop!“ Das war einfach so ein Nebensatz. Wir fanden diese Bezeichnung aber sehr treffend und nutzen das nun als eigenes Genre!

Mila: Wir machen halt Pop, aber auch nicht richtig. Semitrash Pop klingt irgendwie lustig und passend.

Wie sieht eure Releaseplanung gerade aus? Ihr habt die EP auf Bandcamp veröffentlicht, aber wollt ihr auch CDs oder LPs pressen lassen und auf anderen Plattformen veröffentlichen?

Hannes: Wir haben auf Empfehlung von POP ROT WEISS die Veröffentlichung auf anderen Streamingdiensten über Record Jet eingeleitet. Um ehrlich zu sein, hatten wir keinerlei Ahnung wie ein Release funktioniert. Unser Gedanke war halt, dass wir einfach das fertige Material ins Internet stellen und dann wird das schon. Sehr naiv.

Ihr habt gerade Andreas Jäger / POP ROT WEISS als Berater erwähnt. Würdet ihr sagen, dass es hier in der Region Nürnberg / Fürth / Erlangen genug Ansprechpartner gibt, die euch beraten und fördern?

Hannes: Also als Berater kenne ich nur ihn (Andreas Jäger), aber der reicht auch! Das ist cool. Dich kann man auch immer fragen, Lorena.

Mila: Ja, mittlerweile kennen wir schon genügend Leute in der lokalen Szene. Viele Leute, die sich gut auskennen und helfen.

Hannes: Red Audio hat da auch beraterisch gut geholfen!

Habt ihr auch schon Workshops wie z.B. die VPby Workshops in der Musikzentrale Nürnberg besucht?

Hannes & Mila: Gibt’s sowas??!

Ja, kann ich nur empfehlen! Dort werden alle Themen rund um Musik und Musikbusiness abgedeckt!

Beide: Sollten wir echt mal machen!

Hannes: Bis zu diesem Studioaufenthalt haben wir halt einfach nur unser Zeug gemacht. Musiziert! Wir fangen gerade erst an uns richtig ernsthaft mit dem Drumherum auseinanderzusetzen.

Mila: Uns ist auch klar geworden wie wichtig Social Media ist. Da sind wir jetzt aktiver.

Wie läuft das Songwriting bei euch ab? Wer schreibt die Texte?

Hannes: Ich mache die Texte!

Mila: Ja, Hannes schreibt die Texte. Ansonsten ist es sehr unterschiedlich. Alle haben Ideen, jeder bringt unterschiedliche Teile wie Melodie oder Instrumentalteile ein und dann basteln wir zu dritt Songs daraus.

Hannes: Es übernimmt schon jeder seinen Teil. Meinen Textideen fehlen oft Melodien und dann macht Mila die Melodie und Felix definiert durch sein Schlagzeugspiel die Dynamik der Songs. Es ist immer rund und macht viel Freude!

In euren Songtexten kommen oft Tiere vor. Woher kommt dieser Faible für tierische Texte?

Mila: Wir mögen einfach Tiere!

Aber Nilpferde mögt ihr scheinbar nicht so!?

Nilpferde sind gefährlich und Nilpferde töten gerne. Dann tanzen sie Tango auf den reglosen Leichen der Opfer. – Zitat aus dem Lied „Nilpferde

Hannes: Ja, Nilpferde sind richtig fies!

Mila: Die sind cool, aber halt richtig blutrünstig.

Hannes: Da hatten wir die komplette Musik, aber keinen Text und dann lieben wir es die Musik mit nonsens Texten zu paaren.

Wenn euch dann kein Text einfällt, singt ihr auch gerne einfach „Lalala“. In verschiedenen Variationen auf der EP zu hören. Wie rechtfertigt ihr das?

Beide lachen.

Mila: Also bei „Besoffen um halb 4“ ist es passend, weil es das Gefühl eines Menschen der frühs nach einer durchzechten Nacht rumgrölt widerspiegeln soll.

Der angesprochene Song hat Anleihen an AnnenMayKantereits „Barfuß am Klavier„. Würdet ihr eure Variante als Tribut oder Parodie dieser Band bezeichnen?

Mila: Definitv Tribut!

Hannes: AnnenMayKantereit haben wir eine Zeit lang sehr oft und gerne gehört. Als die noch nicht soooo bekannt waren. Die erste veröffentlichte Variante von „Barfuß am Klavier“ fanden wir sehr schön, aber auch extrem schnulzig! Dann kam uns der Gedanke, dass es witzig wäre das umzudichten. Nach verschiedenen Varianten wie z.B. „Ich sitze schon eine Weile mit Handschuhen an der Geige“, kam dann „Besoffen um halb 4“ als Hommage heraus.

Mila: Das war unser erstes Lied!

Hannes: Eigentlich der Grund weshalb wir angefangen haben Lieder zu schreiben!

Jetzt sind wir schon beim Thema „Bands die euch beeinflussen“. Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen auftreten?

Mila: Helge Schneider!

Hannes: Haha! Ja! Ich habe da immer Schwierigkeiten bei der Auswahl. Es muss ja auch passen. Klar, Helge Schneider ist der absolute Oberkönig. Man muss auch schauen was musikalisch passt. Buntspecht ist geil! Das würde doch passen.

Wäre namentlich auch eine gute Kombination!

Beide: Ja, stimmt.

Hannes: Faber. Faber! Wäre auch cool!

Welche Festivals stehen auf eurer Bucketlist?

Beide: ALLE!!!

Hannes: Das Kulturinsel Wöhrmühle Open Air sieht gut aus. Da haben wir auch Karten für Faber. Eigentlich für dieses und nun halt nächstes Jahr.

Abschlussfrage: Wohin soll Dr. Rabe fliegen? Was sind eure Ziele?

Hannes: Weltherrschafft!

Mila: Naja, wir alle Drei würden gerne Vollzeit Musik machen.

Hannes: Jetzt gerade fühlt es sich weit entfernt an, auch bedingt durch die Corona-Krise. Vollzeit-Musiker zu werden ist ja wie ein Sechser im Lotto.

Album:

Link zur Band: www.facebook.com/DoktorRabe

Fotos: Lorena Seipp // Location: Boca, Fürth